Die Maid

Die Maid

Was uns an Inse-Marie Ortgies fasziniert, ist diese tiefe, rauchige Stimme und dieses heisere, unverblümte Lachen. Die politische Karriere der ehemaligen CDU-Landtagsabgeordneten liegt schon eine Weile zurück, jetzt genießt die 73-Jährige den wohl verdienten Ruhestand mit ihrer Familie. Unvergessen sind ihre Verdienste um das Wangerland.

Einsatzleiter

Einsatzleiter

Es ist mitten in der Nacht, Eike Eilers hat einen Einsatz. In einem Einfamilienhaus lodert ein Feuer. Jetzt muss alles ganz schnell gehen. Es ist so heiß, dass die Farbe von den Wänden läuft. Was sich im Haus verbirgt, ist ungewiss. Mitten im Geschehen, steht Eike Eilers und seine Kameraden. Freiwillig. Er hat kein Helfersyndrom, aber der große, dunkelblonde Kerl liebt es, anderen zu helfen und ist fasziniert von der Feuerwehr, besonders von den Gesetzen der Physik, ein Schwerpunkt seines damaligen Informatik-Studiums.

Heisse Kurven

Heisse Kurven

Es ist die spürbare Freiheit und die Weite des Meeres, die uns in Bann zieht, wenn wir auf die Nordsee blicken und die vielen Schiffe sehen. Oft möchte man einfach hinter ihnen her schwimmen und ins Unbekannte fahren. Es gibt die Kategorie Mensch, die ein eigenes Schiff haben wollen, weil es genau diese Lebensvorstellung hat. Und dann gibt es die Kategorie Mensch, die kein geeignetes Schiff finden, es lieber selber bauen und gleich noch die Werft dazu kaufen. „Der Spaß daran hat aber meistens gar nichts mit dem Boot zu tun, sondern mit den unterschiedlichen Menschen, mit denen wir zu tun haben“, erzählt uns Burkhard Kähler.

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Marcel HeinrichsdorfF

„Der Mensch ist das seltenste Tier auf der Insel“ - und das ist gut so

 

Wer im Wangerland Urlaub macht, steht oft an einem der schönen Strände und blickt aufs Meer. Am Horizont sieht man den Leuchtturm Mellumplate, die Insel Wangerooge - und sieht dazwischen die Vogelschutzinsel Minsener Oog, zu der man auch geführte Wattwanderungen machen kann. Die unbewohnte Ostfriesische Insel, zwischen der Insel Wangerooge und dem Fahrwasser der Jade gelegen, stand schon lange auf unserer Liste, denn das künstlich angelegte Eiland ist ein ganz besonderer Ort. Es ist nicht einfach, hierher zu kommen, einerseits müssen Wellen und Gezeiten stimmen und zum anderen dürfen die Menschen die Vögel auf der Insel nicht stören. Diesjähriger Vogelwart war Marcel Heinrichsdorff, einer von zwei Personen, die während des Sommers auf der Insel lebten und arbeiteten. Der 35-Jährige kümmerte sich um den Vogelschutz - und das ist eine Herausforderung. 

 
 

Die Reise zur Minsener Oog entpuppt sich für uns als Abenteuer – und das nicht wegen der Genehmigungen, die man braucht, sondern wegen des Wellengangs, denn der letzte Herbststurm ist erst wenige Tage her. Die Insel Minsener Oog ist im Gegensatz zu den übrigen bewohnten und unbewohnten Inseln vor der niedersächsischen Festlandsküste eine Insel aus zweiter Hand. Sie wurde zum Schutz des Jadefahrwassers als sogenanntes Strombauwerk durch die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung aufgespült. Diese Funktion erfüllt die Insel auch heute noch. Und deshalb sind auch alle Maßnahmen, die zur Aufrechterhaltung dieser Funktion notwendig sind, von den strengen Schutzbestimmungen des Nationalparkgesetzes freigestellt. 

 
 
 
 
 

Der Soundtrack zur Geschichte von 3 Miles to Essex

 
 
 
 
 
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Freizeitkapitän Holger, der mit seinem Boot „AKKA“ in Hooksiel liegt, fährt uns an diesem Tag zur Insel. Mit an Bord ist auch Vogelwart Marcel Heinrichsdorff, studierter Arborist und Landschaftsplaner. Die Vorortbetreuung des Gebietes erfolgt auf der Insel Minsener Oog ebenso wie auf Mellum und Wangerooge nicht durch Ranger der Nationalparkverwaltung selbst, sondern auf der Grundlage eines Betreuungsvertrages durch Mitarbeiter/innen des Mellumrates. Seit dem 29. Juni 2009 ist die Insel auch integraler Bestandteil des Weltnaturerbegebietes Wattenmeer. Bis auf einen in der Örtlichkeit gekennzeichneten, südlich auf der Insel gelegenen Bereich, dem sogenannten Besuchersektor, darf die Insel ganzjährig aus Naturschutzgründen, insbesondere denen des Vogelartenschutzes, nicht betreten werden. Der größte Teil der Insel unterliegt als Ruhezone im Nationalpark dem stärksten Schutz. Wir sind aufgeregt und gespannt, was uns auf dieser Insel erwartet. Aber erst mal hinkommen! Mit unserem Boot können wir nicht direkt an der Insel festmachen, sondern müssen die letzte Strecke per Schlauchboot ausgebootet werden - und das bei einer irren Strömung. Das sorgt schon mal für Aufregung und Herzklopfen! 

 
 

Videointerview

 
 
 

Als wir im Wasser einen Helium-Luftballon in Form eines Bären treiben sehen, sind wir einen Moment abgelenkt und schießen ein paar Fotos. Marcel gefällt das allerdings überhaupt nicht, und er erklärt uns warum: „Die Vögel fressen den Müll, bauen sich ihre Nester aus Netzresten, verfangen sich und verenden darin. Eine Möwe speit das Unverdauliche in der Regel aus, aber Untersuchungen an toten Eissturmvögeln zum Beispiel haben gezeigt, dass 96 Prozent dieser Tiere mindestens 20 Müllteile im Magen haben. Die können dann keine andere Nahrung mehr verdauen und verhungern mit vollem Bauch. Das können wir wohl nicht mehr aufhalten, weil im Meer schon viel zu viel Müll rumschwimmt.“

Wir sagen jetzt nichts mehr, sondern sind betroffen. Erst recht, als wir endlich auf der Insel ankommen und wir den ganzen Müll am Strand liegen sehen. Damit haben wir nicht gerechnet! Es verschlägt uns die Sprache und nach jedem Schritt, den wir über dieses wunderschöne Eiland gehen, werden wir wütender. Abgesehen von Marcel und seinem Kollegen vom Mellumrat; einem Verein, der sich um den Vogelschutz der Inseln Mellum, Wangerooge und seit 1946 auch um die Minsener Oog kümmert, kümmert sich das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Wilhelmshaven um den Erhalt der Insel. 

 
 

Beide Teams, die sich dieselbe Station mit Schlafmöglichkeiten und Küche teilen, haben bei der Erledigung ihrer Aufgaben wenig miteinander zu tun. Aber darüber hinaus unterstützen und helfen sie sich gegenseitig. Alle 14 Tage, erklärt uns Marcel mit starrem Blick, sammeln sie auf einer Kontrollstrecke den Müll am Strand ein um Art, Menge und Herkunft zu erfassen - und befreien dabei die Insel ein Stück weit vom angespülten Plastik. Aber mit dem Einsammeln ist es nicht getan: „Es gibt viele verschiedene Arten von Müll, die musst du zur Erfassung und Kategorisierung erst mal unterscheiden. Das ist zeitaufwändig und mühsam. Ein Monitoring von Kontrollstrecken ist sinnvoll, aber das grundsätzliche Problem muss an anderer Stelle gelöst werden.“ Wir verstehen die Wut in Marcels Stimme, als wir den ganzen Plastikmüll, darunter auch unzählige, zerplatze Hochzeitsballons mit Plastikbändern sehen und dazwischen Vögel, die hier leben und brüten und daran sterben. „Die Hochzeitsballons kommen aus ganz Deutschland und auch von der holländischen Küste rüber. Der ganze Plastikmüll wird uns alle noch überleben!“, erzählt uns Marcel. Aber nicht nur die Vögel, auch die Robben und Meerestiere gehen an dem ganzen Plastikmüll und vielen herrenlos herumtreibenden „Geisternetzen“ zugrunde.

 
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Die Müllkontrolle ist inzwischen fester und wichtiger Bestandteil von Marcels Arbeitsalltag; hauptsächlich geht es aber um den Schutz und die Erfassung der Vögel auf der Minsener Oog. Sein Tagesablauf, erzählt Marcel, während uns der Wind um die Ohren weht, richtet sich nach den Gezeiten, weil sich auch die Vögel nach der Tide richten. „Bei Hochwasser sind sie nah an der Insel, bei Ebbe sind sie im Watt und suchen nach Nahrung. Ich gehe immer dann raus, wenn ich die Vögel am wenigsten störe. Dann laufe ich vier bis acht Kilometer um die Insel, beobachte und zähle die Tiere, welche sich gerade hier aufhalten, brüten oder vorbeiziehen.“

 
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Ansonsten muss Marcel natürlich auch aufpassen, dass keine Unbefugten auf die Insel kommen, die die Vögel in diesem Biotop stören. Wobei das ja, wie wir selbst erfahren haben, nicht ungefährlich ist. Auf der Insel ist Marcel immer zu Fuß unterwegs, auch bei Kälte und schlechtem Wetter. Und genau das reizt ihn: „Hier spürt man alle Naturgewalten hautnah. Und es sind Momente, die sonst keiner erlebt, die man ganz für sich alleine hat. Denn das seltenste Tier hier auf der Insel ist der Mensch.“ Das einsame Leben auf der Insel ist manchmal nicht einfach, gesteht uns Marcel mit einem Augenzwinkern: „Die Tageszeitung kommt immer zu spät und die Pizza wird kalt geliefert!“ Für die Versorgung von Marcel und seinem Kollegen gibt es einen Gebietsbetreuer, der für sie auf dem Festland einkaufen geht. „Alle zwei Wochen kommt ein Schiff und bringt uns unsere Lebensmittel.“ 

 
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Marcel hat seine Begeisterung für die Natur und die Vögel zum Beruf gemacht: „Da gehört schon ein gewisser Idealismus dazu, du musst der Typ dafür sein. Denn die Tage hier sind oft sehr lang, wenn es eine Woche durchregnet zum Beispiel, gehst du halt eine Woche nicht nach draußen, vor allem in der Brutsaison nicht. Du stehst eigentlich den ganzen Tag am Fenster, schaust, was kommen für Vögel vorbei, wie viele sind gerade da, passiert da etwas Besonderes?“ Und das alles wird fein säuberlich protokolliert, insofern besteht Marcels Job auch aus sehr viel Büroarbeit. „Wir sammeln auch Daten, bei denen es jetzt noch gar nicht sinnvoll erscheint, sie aufzunehmen. Aber es kann sein, dass diese in fünf, zehn oder 100 Jahren extrem wichtig sind, um Rückschlüsse ziehen zu können.“ 

 
 

Wir verabschieden uns von Marcel und verlassen die Insel wieder so stürmisch, wie wir gekommen sind, denn die Flut kommt so schnell und die Strömung ist so stark, dass wir bis durchs hüfthohe Wasser zum Boot laufen müssen. Aber auch in uns tobt ein Sturm, die Wut über das, was wir auf dieser Insel gesehen haben - den Plastikmüll, der angespült wird und nicht nur das Leben auf der Minsener Oog bedroht. Es ist auch unser Müll! 

 
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Text: Sylke Sdunzig  /  Foto: Tom Tautz  /  Videointerview: Stefan Sobotta

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Landfrau

ANKE EDEN-JÜRGENS

„Das Landleben zwischen Kinderlachen und Kühen hält jung!“

 

Vergessen wir mal alle Vorstellungen, die wir von einer Landwirtin haben: Anke Eden-Jürgens, 53, ist anders. Das fängt damit an, dass sie sich nicht dem Klischee eines eintönigen Landlebens fügt. Anke denkt mitten im Leben und genau deshalb ist die leidenschaftliche Landfrau mit dem ansteckenden Lachen und der Aura einer Powerfrau so erfolgreich. Alles was sie anpackt, tut sie mit großer Begeisterung. Gebürtig aus der Nähe von Friedeburg, hat Anke vor knapp 19 Jahren zusammen mit ihrem Mann Carl einen Hof in Förriesdorf im Wangerland gekauft und betreibt hier eine moderne Milchviehwirtschaft. Die Begeisterung für Kühe gibt sie auch an junge Generationen weiter, weshalb oft Schulklassen zu Besuch sind. Aber das ist längst nicht alles...

 
 

Wir staunen nicht schlecht, als wir Anke Eden-Jürgens auf ihrem Hof besuchen dürfen: 200 Milchkühe hat die Familie in ihrem hochmodernen Stall stehen. Ansonsten betreiben die Eden-Jürgens auch Ackerbau, bauen Getreide an und Mais, aber alles nur für den Eigenbedarf, für die Tiere. Der große Hof, auf dem sie mit der Großfamilie lebt, ist für sie ein Paradies: „Die Wangerländer haben uns ganz, ganz herzlich aufgenommen, und wir fühlen uns hier pudelwohl.“

 

Ihr arbeitsreicher Tag beginnt in der Regel zwischen 5 Uhr und 6 Uhr früh, dann geht es in den Stall, die Kühe melken. Und die blicken, als wir den Stall betreten, ganz zufrieden drein. Was vielleicht auch daran liegt, dass die Chefin beim Melken öfter mal Musik hört, in diesem Fall „American Pie“: „Unsere Kühe kennen das, die warten schon drauf. Wir machen ja alles, damit es unseren Tieren super gut geht, die können sich auch ihr Futter selber holen und kriegen Massagen.“

 
 

Teaser-Video

 
 
 

Der Soundtrack zur Geschichte von 3 Miles to Essex
live aufgenommen in der Kirche am Meer in Schillig

 
 
 
 
 
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Die Liebe zu den Tieren und zu ihrer Arbeit, die spürt man bei Anke Eden-Jürgens in jedem Moment. Sie selbst kommt auch vom Bauernhof, insofern war ihre Berufswahl eine unkomplizierte Sache: „Für mich stand immer fest, ich wollte etwas mit Landwirtschaft machen, und da haben meine Eltern gesagt, da gehst du erst mal in die ländliche Hauswirtschaft.“ Und genau das hat sie getan. Ihr Handwerk hat sie in der Landfrauenschule in Stade gelernt, bis sie dann als ländliche Hauswirtschaftsmeisterin mit Carl den eigenen Hof übernahm und seither den Laden schmeißt: „Man ist eigentlich Managerin überall, auch Familienmanagerin, in Haus und Garten. Die Büroarbeit erledige ich auch, oder ich muss mal Teile holen vom Landtechnikunternehmen.“ Das, erklärt sie uns, sei ihr Leben und so wollte sie es auch. Daran haben wir nicht den geringsten Zweifel.

 
 

Videointerview

 
 
 

Auf dem Hof ist Anke Mädchen für alles und noch viel mehr, obendrein betreut sie noch das eine oder andere Projekt, etwa vom Erzeuger bis zur Ladentheke: „Da zeigen wir den kleinsten Verbrauchern schon, wo die Erzeugnisse herkommen.“ Eine andere Herzensangelegenheit ist das Projekt Kochen mit Kindern, verrät sie uns und ihre Augen leuchten mal wieder: „Das mache ich seit über zehn Jahren mit einer Freundin zusammen und das begeistert mich immer wieder, den Kindern zu zeigen, was man aus diesen regionalen Produkten für tolle Sachen zaubern kann!“

 
 

Aber das ist nicht das einzige Ehrenamt, das sie innehat: Sie engagiert sich auch im Kreislandfrauenverband Friesland-Wilhelmshaven, wo sie im Vorstand und für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. „Mir liegt das einfach, mit Leuten umzugehen; ich mochte das schon immer gerne, Projekte angehen und für alles offen sein. Gerade im Landfrauenverband, das ist ein wahnsinniges Zugehörigkeitsgefühl!“

 
 
 
 

Ein paar Buchstaben können so viel ändern. Beispiel: Aus Kultur wird Kuhl-Tour, und schon ist alles gut, denn genau das ist die Milch-Kuhl-Tour: eine richtig gut Sache.

 

Mehr über die Landfrauen vom KreisLandFrauenverband Friesland/Wilhelmshaven
findet ihr hier: 
www.landfrauen-friesland-wilhelmshaven.de

Und zu den Infos über die Milch-Kuhl-Tour geht es hier lang:
www.kreislandvolk-friesland.de 

 

Eine wie Anke Eden-Jürgens steht nicht still, weshalb die begeisterte Radfahrerin unlängst ein weiteres Projekt mit ihrer Bekannten Birgit Luiken ins Leben gerufen hat: die Milch-Kuhl-Tour, eine Fahrrad-Route, die direkt bei ihr am Hof vorbeigeht. „Wir wollten eine nicht zu stark befahrene Route, sie sollte ja fahrradtauglich und erfahrbar sein. Und wir haben uns überlegt, dass die Tour in Jever starten sollte, weil dort früher am Alten Markt der Hauptumschlagplatz für landwirtschaftliche Erzeugnisse war.“

 
 

25 Kilometer führt die Milch-Kuhl-Tour ab Jever durchs Wangerland; wobei acht Silhouetten einer lebensgroßen, stählernen Kuh mit Kälbchen einen bestimmten Aspekt im Leben einer Milchkuh thematisieren. Wann gibt eine Kuh erst Milch? Warum ist die Region so grün? Solche Fragen werden per QR-Code beantwortet. Eine grandiose Idee: „Wir wollen damit zeigen, dass diese Kulturlandschaft von der Landwirtschaft, ganz besonders von der Milchwirtschaft so gestaltet worden ist. Dass wollen wir auch den Menschen aus den Großstädten nahebringen, denen wollen wir diesen besonderen Blick gewähren.“

 

Anke Eden-Jürgens tut viel dafür, dass das die Landwirtschaft im Wangerland nicht stehen bleibt. Entsprechend rosig blickt sie in die Zukunft: „Also ich sehe die Zukunft der Landwirtschaft im Wangerland sehr positiv, dadurch dass das hier so vielseitig ist. Die Produkte, die hier hergestellt oder verarbeitet werden, das ist ja nur Qualität!“

 
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Und wenn sie mal nicht am Melken, auf dem Grünland oder mit den Landfrauen unterwegs ist, dann geht sie mit ihrem Mann tanzen, in einen Tanzsport-Club. „Wir gehen einmal die Woche zum Tanzen und das macht ganz viel Spaß, da denkt man an nichts und kann so richtig gut abschalten. Da ist man ganz bei sich.“ Und wenn sie dann wieder nachhause radelt, gerät sie wieder ins Schwärmen: „Wenn man an der frischen Luft durch die wunderschöne Natur fährt, diese Weite, das ist einfach nur schön. Das ist Lebensqualität, die unbezahlbar ist.“ 

 

Oh ja, wir geben ihr recht. Die Landschaft im Wangerland ist etwas ganz Besonderes, eine einzigartige Kulturlandschaft, deren Schönheit verführerisch ist. Und das nicht nur für die Kühe...

 
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Text: Sylke Sdunzig  /  Foto: Tom Tautz  /  Video: Dorian-Vasco Nagel

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Wassermann

CARSTEN W. IHNKEN

Helfen als Haltung. Helfen, natürlich! Der Menschenfreund.

 
 

Seenotretter, Rettungsschwimmer, Vorsitzender eines Fußball-Fanclubs, Angler, Teamplayer, Freund, Onkel, Sohn und - rund um die Uhr hilfsbereit. Carsten W. Ihnken hat seine Berufung gefunden und das seit über 20 Jahren: helfen! Jederzeit und überall, am liebsten auf dem Wasser oder im Wasser. Und das konsequent. Im Wesentlichen zählen nur zwei Aspekte: einerseits die Aufgeschlossenheit und der Mut, andererseits Tatendrang. Sehr gut, dachten wir uns, denn damit stand fest, wen wir hier gleich treffen werden. Wie wäre es also mit einem echten Wassermann? 

 

Ein gepflegtes Einfamilienhaus mitten in Horumersiel. Die Sonne lacht vom Himmel, es scheint ein guter Tag zu werden. Hier wohnt unser heutiger „Mensch am Meer“, Carsten W. Ihnken. Für Carsten ist es heute gleich zweimal aufregend. Zum einen gibt er uns heute ganz persönliche Einblicke in sein Leben, zum anderen hat er Geburtstag. So fangen drei völlig fremde Menschen mit Kuchen und Wunderkerze in der Hand vor seiner Haustür, einfach erst einmal an, zu singen: „Happy Birthday, Carsten...“ 

 
 

„Moin! Ich bin überwältigt“ lacht er uns entgegen. Und wir erst. Wow, was für eine Erscheinung. Groß, stark gebaut und eine warmherzige Art, die einfach ansteckend ist. Carsten fährt mit uns durch seinen Heimatort. Hier ist er am liebsten, aber seit ein paar Jahren wohnt er in Ganderkesee, weil er bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger DGzRS in der Zentrale arbeitet. Nebenbei ist er nach wie vor freiwilliger Seenotretter auf der Außenjade. In der Freizeit fährt er oft "nach Hause", nach Horumersiel ins Wangerland. Und ab 2018 wohnt er wieder ganz in Horumersiel, denn Carsten baut hier gerade sein Haus. Er kann einfach nicht ohne Wasser. Und wenn man mit ihm durch den Ort fährt, bekommt man schnell das Gefühl, die Wangerländer können ohne ihren Carsten eigentlich auch nicht. „Anonymität kennt man hier nicht. Hier kennt jeder Jeden. Fast jeder in Horumersiel ist mindestens in einem oder mehreren Vereinen wie Feuerwehr, DLRG, DGzRS, Sportverein, Karnevalsverein, Segelverein, Musikgemeinschaft oder HSV-Verein. Hier lernt man sich kennen und schließt Freundschaften“, verrät uns Carsten.

 
 
 
 

Hilfsbereit ist Carsten von Kindesbeinen an gewesen, aber er hat noch einen draufgelegt. Carsten macht so ziemlich alles, was man hier oben an der Küste unter dem Genre „Helfen“ finden kann. Sein Credo: Teamplayer, hilfsbereit, geduldig, mutig sein und Probleme lösen. Das ist für Carsten wichtiger als jede Tapferkeitsmedaille. „Seenotretter bei der DGzRS zu sein, ist mein Hauptsteckenpferd und meine große Leidenschaft, dazu bin ich noch ziemlich aktiv in der DLRG und war der mit den meisten Wachstunden in den letzten zehn Jahren. Nur ein älterer Kollege hat noch mehr Wachstunden auf der Uhr“, erzählt uns Carsten fast verlegen. Wer glaubt, dass war schon alles? Selbstverständlich nicht. Eine Woche hat 7 Tage, da geht noch einiges. „Ich bin Mitbegründer und Präsident 1887° Nord vom HSV-Fanclub in Horumersiel, im Angelverein und im Spielmannzug unterstützend tätig. Außerdem, und da gehe ich ebenfalls leidenschaftlich drin auf, spiele ich Fußball mit meinen Jungs und habe eine Jugendfußballgruppe gegründet, damit die Jugend was zu tun hat und nicht auf dumme Gedanken kommt. Jeder der Lust auf Fußball hat, kann mit uns kicken“, verrät uns Carsten.

 
 

Wir fahren zum Hafen von Horumersiel, wo das 8,5-Meter-Seenotrettungsboot „Baltrum“ liegt. Die Station Horumersiel gehört zu den ältesten Stationen der DGzRS. Das Revier, die Außenjade, ist stark von den Gezeiten geprägt und erstreckt sich südlich bis nach Hooksiel und nördlich bis zur Insel Wangerooge. Hier auf der Station Horumersiel arbeitet Carsten ehrenamtlich als Seenotretter. „Hauptberuflich bin ich Einsatzleiter im MRCC (Maritime Rescue Coordination Centre) bei den Seenotrettern in der Zentrale in Bremen. Ich koordiniere Seenotfälle auf Nord- und Ostsee sowie weltweit – zum Beispiel Grönland, Japan oder Island.", erklärt er uns. Mit Island verbindet Carsten etwas ganz besonderes: Im Rahmen eines Austauschprogramms der "International Maritime Rescue Federation" besuchte er die Nord-Insel acht Tage und lernte dort seinen Kollegen Jón Arnar Gestsson kennen, den er später bei einem Einsatz auch am Telefon hatte. Hin und wieder findet man ihn auf der Station Norderney, wo er als vierter Mann auf dem Rettungskreuzer "Bernhard Gruben" fährt. 

 
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Der Soundtrack zur Geschichte von 3 Miles to Essex

 
 
 
 
 
 

Wir dürfen sie betreten, die heiligen Hallen, das Stationsgebäude, in dem auch das Ruderrettungsboot „August Grassow“ erhalten ist. Es war früher in Westeraccumersiel stationiert, wo noch heute der historische Rettungsschuppen der DGzRS steht. Es riecht nach Salz, nach Wattenmeer und nach Geschichte in diesen Räumlichkeiten. Wir sind beeindruckt und fasziniert zugleich. Stillschweigend laufen wir über eine Wendeltreppe in den ersten Stock des Gebäudes, wo sich der Mannschaftsraum befindet. Und wo Carsten wie selbstverständlich einen köstlichen Ostfriesentee für uns zubereitet. Auf die Frage, was denn die größten Fehlverhalten auf der Nordsee sind, verrät uns Carsten: „Viele Leute, die wir retten müssen, denken oft, sie seien gut vorbereitet. Aber meistens sind sie das nicht. Mit der Materie kennt sich oft nur der Skipper aus, aber wenn der ausfällt, was dann? Wissen die anderen an Bord, was zu tun ist, weiß er wie man Position nimmt, weiß er, wie man Rettungseinheiten erreicht? Das sind die Sachen, die nach meiner Beobachtung immer wieder passieren“.  

 

Videointerview

 
 

Wir fragen uns, ob Carsten vielleicht ein Helfersyndrom hat. Ja, aber ein Gutes, von dem wir uns alle ein Scheibchen abschneiden dürfen. „Hilfsbereitschaft“ als Charaktereigenschaft und entspanntes Lebensgefühl. Die mutige Gelassenheit im Vertrauen auf die eigene Glückskindschaft und die Fähigkeit, im entscheidenden Moment zielsicher handeln zu können. Das ist eine gesunde Lebenseinstellung!

 
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Text: Sylke Sdunzig  /  Foto: Tom Tautz  /  Videointerview: Stefan Sobotta

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FRIESEN-CHEF

GERD KELTERBORN

Die treuen Gefährten der Küste

 

Reif für Urlaub? Dann nichts wie ab an die Nordsee! Für alle, die im Alltag immer sehr hart am Puls der Zeit leben, bieten Gerd und Ute einen Ort, um sich mal wieder der eigenen Herzfrequenz zu widmen. Urlaub mit der ganzen Familie auf einem Pferdehof hat seine Vorzüge - auch wenn man nichts mit Pferden am Hut hat. Wer’s nicht glaubt, fragt Gerd Kelterborn, Pferdemensch und „Friesen“-Chef auf dem Frieslandstern in Minsen im Wangerland, jenen Mann, der mehr Pferde in seinem Leben geputzt hat als andere ihre Wohnungen.

 
 

„PFERDE SIND MEIN LEBEN!“


Konzentriert zieht Gerd mit dem Gummistriegel weite Kreise auf dem schwarzen Fell von „Gerke“, ein wunderschönes Pferd, während Sonja die anderen Friesen aus den Boxen holt. Der anmutige Hengst hält ganz still und lässt sich alles geduldig gefallen. Er weiß, dass er gleich vor einen Wagen gespannt wird. Das kennt er schon und es scheint ihm zu gefallen, bei Wind und Wetter über die Weiden und Deiche durchs Wattenmeer zu galoppieren. 
 

Der Frieslandstern ist Gestüt und Hotel in einem. Im Jahr 2018 feiert er sein 30-jähriges Bestehen im Besitz der Familie Eden. „Früher, bis 1972 war das Gebäude eine Molkerei, danach alles Mögliche. Von Hundepension bis Wäscherei, bis meine Eltern das Gebäude gekauft haben und ein Hotel daraus bauten“, erzählt uns Ute, die Lebensgefährtin von Gerd. „Wir haben über 200 Gäste pro Tag und 56 Wohneinheiten, die den gesamten Sommer über komplett ausgebucht sind. Familien mit Kindern, Paare mit oder ohne Kinder, Reit-Erfahrene oder Besucher, die Pferde nur von Fotos kennen oder ganze Hochzeitsgesellschaften kommen zu uns. Auf die Friesen dürfen nur Gäste reiten, die auch reiten können. Da bin ich streng. Anfänger können Reitstunden nehmen, und für Kinder haben wir unsere Ponys, die meine Mädchen betreuen“, erzählt uns Gerd weiter.

 
 
 
 
 

Der Soundtrack zur Geschichte von 3 Miles to Essex

 
 
 
 
 
 

Reiten gehört zu den beliebtesten Hobbies der Deutschen und ein eigenes Pferd ist für viele ein lang gehegter Kindheitswunsch. Gerd Kelterborn erfüllt auf seinem Gestüt seinen Gästen diesen und noch viele andere Wünsche. Eins war von Anfang an für uns klar, als wir Gerd und Ute auf ihrem Gestüt besuchten: Gerd ohne seine Friesen, ist so wie Asterix ohne Obelix. Unvorstellbar. „Ich bin von klein auf mit Pferden aufgewachsen. Wir hatten auf unserem Hof in Ostiem (kleiner Ort in Friesland) Oldenburger, Vollblutpferde und Arbeitspferde“, erzählt uns Gerd. 

 

Gerd hat Landwirt gelernt und hatte immer mit Pferden zu tun. Danach ging er ein paar Jahre zur Marine und dort wurde ihm bewusst: „Nee, alles andere geht nicht. Ich muss was mit Pferden machen!“ Pferde verheißen Freiheit und Abenteuer, verkörpern Kraft und Schnelligkeit, sind anmutig und elegant. Er lernte Bereiter und machte seine Meisterprüfung. Jetzt ist er Pferdewirtschaftsmeister und das ist sein Leben. Gerd erzählt uns, „ich habe nie etwas anderes in meinem Leben gemacht, als Pferde zu reiten, Pferdekutsche zu fahren, Pferde auszubilden und Reiter ausbilden. Irgendwann habe ich mich von meinem Hof in Ostiem getrennt und bin auf den Hof von Ute gekommen. Erst hier habe ich die Friesen kennen- und lieben gelernt“.  

 
 

Videointerview

 
 
 

Wer schon einmal auf einem Friesen saß und beim Galopp den Wind in den Haaren spürte, weiß, was Freiheit ist. Warum lieben die Gäste vom Frieslandstern insbesondere die Friesen? „Weil Friesen Freiheit verkörpern. Weil es mehr Spaß macht, Friesen zu putzen als das Haus oder das Auto. Weil Friesen Menschen zusammenbringen. Für meinen Job, den ich hier auf dem Hof ausübe sind die Friesen perfekt. Sie sind gutmütig, nicht so wild und die Leute die uns besuchen lieben sie. Die Friesen lassen sich gut reiten, sind zuverlässig und brav“, sagt Gerd. 

 

Und wie sieht so ein Tag auf dem Frieslandstern aus? „Früh morgens stehe ich auf und bereite alles für die Friesenreitstunde und den Ausritt vor. Die Gäste fangen an, ihre Pferde zu putzen, und ich habe dann noch Zeit für einen Kaffee. Danach mache ich mein Pferd fertig und wir gehen auf die Bahn. Um 9 Uhr reiten wir alle gemeinsam aus dem Hoftor raus und beginnen mit dem Ausritt. Wir reiten dann mit unseren Gästen an den Strand. Ich habe die Genehmigung und Erlaubnis, als Nationalpark- und Wattführer am Strand oder im Watt zu reiten. Bei Ebbe reiten wir bis zur Fahrrinne in Richtung Vogelschutzinsel „Minsener Oog“. Ein wunderschönes Erlebnis, was man nicht missen möchte“, erzählt uns Gerd freudestrahlend und stolz.

 
 

„Eines Tages kam eine Dame zu mir und wollte am Strand heiraten. Eine tolle Idee, dachten wir und seitdem richten wir mit mehreren Kollegen in Schillig Strandhochzeiten aus. Das macht so viel Spaß und die Gäste sind immer gut gelaunt und sehr aufgeregt“, erzählt uns Ute. Strandhochzeiten sind im Wangerland sehr beliebt. Kein Wunder, was gibt es Schöneres, als barfuß an einem weißen Sandstrand mit dem Meer im Rücken „ja“ zu sagen! Allerdings sollte man sich frühzeitig um einen Termin im Standesamt Hohenkirchen kümmern. Wenn man diesen hat, ruft man Ute im Frieslandstern an. Dann, so würden die Wangerländer sagen, „löppt dat!“. 

 

„Ich kümmere mich um alles, damit das Brautpaar und die Gäste ein wunderschönes Hochzeitsfest erleben“. Friseur, Torte, Blumen und Deko - alles kein Thema für Ute, die mittlerweile zur „Weddingplannerin“ geworden ist.  

 

Ganz weit draußen, kurz vorm Deich statt mittendrin. Besser, ganz weit oben - auf einem Friesen! Oder auch einfach nur Urlaub machen in einem ganz tollen Hotel im Wangerland. Oder heiraten. Sie haben die Wahl. Wir würden dort so ziemlich alles machen!

 
 

Mehr Informationen zum "Frieslandstern" erhaltet ihr hier

Familotel Frieslandstern
Störtebekerstraße 13
2634 Wangerland - Horum

Telefon 04426 945 0
info@friesland-stern.de
www.frieslandstern.de

 

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Text: Sylke Sdunzig  /  Foto: Tom Tautz  /  Videointerview: Stefan Sobotta

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VOGELFREI

AndrÉ Kramer

Das Wunder Nationalpark Wattenmeer erleben

 

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Es gibt Menschen, die lieben es, eins zu sein mit sich selbst und der Natur. Und es gibt Menschen, die das sogar beruflich tun. Wunderbar, dachten wir uns, denn damit stand fest, wen wir heute für Luv & Lü treffen sollten. Wie wäre es mit einem hochinteressanten Kölner, der als Ranger im Wangerland an der Nordsee lebt und arbeitet und offensichtlich eine Leidenschaft hat, und das sind Vögel!

 
 

TEASER-VIDEO

 
 

Eine Rauchschwalbe und ein Sommergoldhähnchen hat sich der 29-Jährige daher auch auf den Arm tätowieren lassen. Seit zwei Jahren lebt er im Wangerland und arbeitet als Ranger im Nationalpark Wattenmeer. Die Natur zu bewahren, das ist sein Antrieb und es ist faszinierend zu sehen, wie Andrés Augen leuchten, wenn er über Vögel und das UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer spricht.

 
 
 

Der Soundtrack zur Geschichte von 3 Miles to Essex

 
 
 
 
 
 
 

André Kramers Reich, der Nationalpark Wattenmeer, ist beeindruckend: ein riesiges, 345.000 Hektar großes Terrain und immerhin Deutschlands zweitgrößter Nationalpark. Für die Tiere, die hier leben, ist es ein Paradies – genauso wie für André, der hier nach dem Rechten schaut und dafür sorgt, dass dieses einzigartige Wattenmeer bestehen bleibt. Dass er so naturverbunden ist, war ihm lange gar nicht klar: „Mein eigentlicher Berufswunsch war Berufsfeuerwehrmann, daher habe ich in Köln erst mal eine Ausbildung zum Forstwirt gemacht, weil das Voraussetzung war. Während der Ausbildung habe ich schnell gemerkt, dass ich sehr gerne draußen war.“

 

VIDEOINTERVIEW

 
 
 

In seiner Zeit als Forstwirt lernte André auch den einen oder anderen Ranger kennen und dachte sich insgeheim: „Das wäre genau meins!“ Aber der Beruf des Rangers ist begehrt, insofern hat sich André keine großen Hoffnungen gemacht: „Allein hier im Nationalpark kamen auf zehn ausgeschriebene Stellen knapp 400 Bewerber. Die Leute kommen aus ganz Deutschland auf diese Stellen, denn es gibt einfach viel zu wenig“, erzählt uns André.  

Umso glücklicher war er, dass sein Traum wahr geworden und er nun einer von zehn Rangern im Nationalpark Wattenmeer ist und ein Gebiet betreut, das sich über 100 Kilometer erstreckt, vom südlichen Jadebusen über Wilhelmshaven, Schillig, Bensersiel bis zum Dollart. „Ich muss dieses Gebiet allein beackern und bin hier die eierlegende Wollmilchsau“, erklärt uns André und irgendwie haben wir das Gefühl, dass er dieser Herausforderung durchaus gewachsen ist.

 
 

Es ist ein Job voller Abwechslung: Zu Andrés zahlreichen Aufgaben gehört es, Wege zu markieren, Beschilderungen erstellen, Landschaftskontrolle, Artenschutzmaßnahmen, Vogelbeobachtung, Pflanzenkartierung bis hin zu Führungen und Öffentlichkeitsarbeit. Besser geht’s kaum: „Es ist jeden Tag spannend. Und man kann im Kleinen noch was bewirken. Wir betreiben ja auch Strandbrüterschutz, wenn ein Vogel mehr wegen uns heranwachsen kann, dann ist schon viel gewonnen. Es gibt viele Arten, da ist es kurz vor zwölf. Und was weg ist, ist weg, das muss man sich vor Augen führen.“

 
 

Tatsächlich hat das, was André hier mit seinen Kollegen „im Kleinen“ bewirkt, globale Bedeutung: „Hier kommen jährlich zwölf Millionen Vögel her, und die kommen nur zu ihrem Überwinterungsgebiet durch, weil es das Wattenmeer und uns hier gibt. Mit Holland und Dänemark zusammen ist es quasi ein Wattenmeer“, erklärt uns André. Insofern ist Andrés Job keiner wie jeder andere. Und man muss mit dem Herzen dabei sein: „Sonst kannst du das nicht machen. Da vermischt sich auch vieles, Privates und Arbeit. Da fährst du auch Sonntagabend noch los, wenn was ist und zur Brutzeit muss ich schon um vier morgens hier sein.“ Zum Glück trägt Andrés Freundin, über die er sonst nichts verraten mag, seine Arbeit und sein Leben mit. Jetzt wollen wir aber doch mal wissen, was es mit seinen Tätowierungen auf sich hat. „Na, die Rauchschwalbe habe ich, weil es einfach tolle Viecher sind, wie die fliegen können! Und das Sommergoldhähnchen steht für alle Singvögel“, erklärt uns André.

 

 
 

 

Da klingt sie wieder durch, die Begeisterung und Leidenschaft, mit der dieser junge Ranger seinen Beruf angeht. Vom Herzblut mal abgesehen ist das Wichtigste eine scharfe Wahrnehmung: „Man muss seine Flächen kennen, nur wenn ich die kenne, nehme ich Veränderungen wahr oder auch Störungen wie eine hohe Tide zur Brutzeit.“ Um Veränderungen in seinem Terrain wahrzunehmen, kartiert André die Vögel auch: „Wo sitzen Rotschenkel? Wo sitzen Uferschnepfen? 50 bis 60 Prozent der Vogelarten haben das Problem, Flächen zu finden, wo sie brüten können. Auch Vogelzug ist ein Riesenproblem, es gibt viel illegalen Vogelfang. Länder wie Ägypten, Malta aber auch Frankreich stellen Netze und fangen Vögel, um sie zu essen oder zu sagen, ich hab’ einen tollen Vogel gefangen. Da gehen Millionen Vögel hops und wir geben hier Millionen für den Schutz für Vögeln aus, die dann bei denen im Netz landen!“

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MEHR INFOS RUND UM DAS THEMA NATIONALPARK WATTENMEER FINDET IHR HIER:

NATIONALPARK WATTENMEER

Nationalpark-haus im Wangerland

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Umso wichtiger ist es, dass es Ranger wie André gibt, die letztlich Lebensretter und Tierschützer in einem sind. Eine schönere Arbeit als die im Nationalpark kann sich André nicht vorstellen: „Meine Arbeit kommt mir gar nicht wie Arbeit vor. Und das ist eigentlich unbezahlbar“. Das heißt, er hält fest, wo welche Vögel auftauchen, leben und brüten: „Das ist schon eine sehr komplexe Aufgabe. Man muss dafür auch gut hören können. Man muss lernen, sich wieder zu konzentrieren und dem Ganzen mehr Aufmerksamkeit schenken.“ Das macht er übrigens auch in seiner Freizeit. Wenn er nicht gerade in seinem Garten arbeitet, ist André unterwegs, um Vögel zu beobachten. Und gerät bei seinen Streifzügen durchs Wattenmeer immer wieder ins Staunen: .“Das hier ist wirklich einmalig, aber es ist einem eben nicht klar, weil wir es ja vor der Haustür haben, aber das hier ist eine wichtige Landschaft, auch weltweit gesehen.“

 
 
 

Vor seiner Zeit im Wangerland war André Kramer für einige Jahre auf der Insel Borkum, das war auch sehr schön. Aber sein Zuhause ist jetzt hier, weil er sich hier so wohlfühlt. Das verstehen wir. Und die Zukunft? „Ich wüsste nicht, was mich hier wegbringen könnte“, sagt André und dann ist erst mal Stille. Irgendwo hört er jetzt ein Blaukehlchen singen. Großartig! 

 

Ein klein bisschen neidisch sind wir dann schon, als wir uns verabschieden und den Nationalpark Wattenmeer hinter uns lassen müssen. Wir können inzwischen nur allzu gut nachvollziehen, woher Andrés Leidenschaft für diesen besonderen Landstrich kommt: „Mal ist es das Licht, das eine Salzwiese besonders schön aussehen lässt. Mal ist es eine seltene Vogelart, die man sieht. Es sind so kleine Erlebnisse in der Natur, die mich so begeistern. Wasser ist Leben, da passiert was.“ Wie wahr, André, wie wahr!

 

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Text: Sylke Sdunzig  /  Foto: Tom Tautz  /  Videointerview: Dorian-Vasco Nagel

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PROFICAMPER

WILLI RETZLAFF

Ein Proficamper in Schillig - und ein Rentier
Eine Tasse Bier mit den Menschen hier oben zu trinken, das ist Leben!

 

Wilhelm Retzlaff, geboren in Ostfriesland, kann eigentlich alles. Ganz besonders gut allerdings kann er über das Leben philosophieren und fantastische Geschichten von seinem Dasein als Proficamper in Schillig erzählen. Willi ist dabei eine Erscheinung: Er hat gepflegte, längere weiße Haare, trägt Bart und überall Tattoos sowie Armbänder irischer Herkunft und eine tiefe Bräune. Er sieht aus wie einer, der unablässig Spaß am Leben hat und vor Lebensfreude platzt. Das Beste daran: Er ist tatsächlich so!

 
 
 
 

Es ist schon ein ungewöhnliches Zuhause, das wir bei unserem Besuch antreffen: Wilhelm Retzlaff, 70 Jahre alt, lebt seit 41 Jahren auf dem Campingplatz in Schillig im Wangerland an der Nordsee, einem der ältesten und größten Campingplätze in Deutschland. Willis trautes Heim, das ist ein Wohnwagen mit direktem Blick aufs Meer: „So langsam hat man sich vorgearbeitet. Wir sitzen jetzt mit der ersten Wohnwagen-Reihe direkt am Deich, da kann man wunderbar die Leute von hinten begucken und das Ratespiel machen ‚Wer gehört zu wessen Hintern’“, erzählt er und grinst. Ja, Willi fühlt sich hier sauwohl. Und schwärmt gleich von früher: „Da war man ja noch jünger und wir haben mit allen Campingwagenbesitzern viele Feste gefeiert. Da habe ich so einige tolle Menschen kennengelernt, aber leider sind auch einige schon gegangen.“ 

 
 
 

Der Soundtrack zur Geschichte von 3 Miles to Essex

 
 
 
 
 
 
 

41 Jahre sind ja auch eine lange Zeit. Ganz so sesshaft war Willi nicht immer, im Gegenteil. Bevor er im Wangerland gestrandet ist, war er ein richtiger Seebär: Mit noch nicht mal 15 Jahren ist er zum ersten Mal zur See gefahren und wartete auf sein erstes Schiff: „Ein Kübel übelster Sorte. MS Friesland - ich glaube, es stand irgendwo ein Schild auf dem Schiff mit dem Spruch ‚Wer hier einkehret, lasse alle Hoffnungen fahren!’“ Mit diesem Schiff fuhr der junge Abenteurer nach England - und war acht Monate seekrank. Trotzdem hat er 1964 in Travemünde seine Matrosenprüfung gemacht, nachdem er auf der Knotenakademie in der Mosesfabrik der Seemännischen Berufsfachschule in Elsfleth gelernt hatte, was ein Schiff ist. „Danach bin ich in alle Herrenländer über die Weltmeere gefahren. Auf Tankern, Fischereifahrzeugen und Frachtschiffen. Ein Passagier-Schiff war auch dabei, da habe ich rosarot gefärbte amerikanische Witwen durch die Gegend geschaukelt. Es war so was von furchtbar.“ 

 

Videointerview

 
 
 

Und so hat Willi nach drei Monaten wieder die Biege gemacht und sich überraschend bei der Seefahrtschule angemeldet. Denn: „Arbeiten ist ja nett, aber mit den Händen arbeiten, das gibt abgebrochene Fingernägel!“ Mit 21 drückte Willi in Lübeck an der staatlichen Seefahrtschule im alten Kaiserturm nochmal die Schulbank, um Nautik zu studieren. Jahre später, mit 27, wurde er Marinesoldat und war zum Schluss in Sengwarden stationiert. Es war ein Obermaat, der hier mit seinen Eltern einen Wohnwagen hatte, und Willi fragte, ob er nicht mal mitkommen wolle. Willi wollte. Und kaufte sich Monate später seinen eigenen Wohnwagen, um auf dem Campingplatz sesshaft zu werden. Aus gutem Grund: „Wo habe ich eine solche Luft? Ich war letztens erst an der Ostsee, da ist es ist schön, aber anders. Hier fühle ich mich freier; die Luft ist für mich bekömmlicher. Ich mag es, wenn ich oben auf dem Deich so ganz alleine dastehe und meine Gedanken in die Ferne schweifen. Viele fragen mich immer wieder, warum denn Wohnwagen? Ganz einfach: In einem Hotel bin ich zu Gast. Hier in meinem Wohnwagen bin ich zuhause.“ Sechs Monate im Jahr wohnt Willi in Schillig auf dem Campingplatz. Im Winter lebt er in Hoya an der Weser und für Willi ‚Stadt am Meer, Tor zur Welt, Brücke nach Übersee’. Denn diese Sehnsucht nach der Ferne, die ist noch da: „Ich bin begeisterter Irlandfan und bin die letzten zwei Jahre immer hingeflogen. Dort, in meinem Lieblingsort Lisdoonvarna an der Westküste, habe ich letztes Jahr auch meinen 70igsten Geburtstag gefeiert.“

 
 

Die Küste hat es Willi angetan und so schließt sich der Kreis mit dem Leben im Wangerland wieder. „Ich liebe dieses Rentier-Sein. Ich habe hier ein freies Leben, da kannst du mich nur noch mit kaltem Kaffee und warmem Bier vergraulen“, lacht Willi. Dazu besteht freilich keine Sorge, denn die wunderbaren Mitarbeiter des Campingplatzes tun alles dafür, dass die Camper glücklich sind. Und trotzdem gibt es Leute, die meckern. So was macht Willi fuchsteufelswild: „Die gehen mir richtig auf den Sack! Wenn hier nach 22 Uhr die jungen Leute mal einen über den Durst trinken und es etwas lauter wird, stehen die Alten gleich da und schimpfen wie die Rohrspechte rum, man könnte nicht schlafen. Ich sach’ dann immer, dann müsst ihr auf dem Friedhof campen, da ist Ruhe. Wenn ich denke, ich kann nicht schlafen, weil es irgendwo zu laut ist, dann gehe ich hin und sage: „Ihr habt scheißlaute Musik an, ich kann nicht schlafen - habt ihr ein Bier für mich? Und dann trink ich denen alles weg und mein Abend ist gerettet!“ 

 
 

Ja, meckern ist Willis Sache nicht. Warum auch, gibt für ihn ja keinen Grund, selbst dann nicht, wenn es in Strömen regnet: „Bei Schietwetter ist es für mich das Schönste nach dem Aufstehen, man guckt in die Zeitung und genießt sein Frühstück, guckt über den Deich, sinniert so ein bisschen vor sich hin und sacht ‚Menschenskinder noch mal, wat ist das Leben schön’ und schnappt sich ein Buch.“ Und wenn es tagelang schifft? Für Willi ist das auch kein Grund, Trübsal zu blasen. Stattdessen verrät er uns sein Gute-Laune-Geheimnis: Man nimmt ein „24-Röhrengerät“, also eine Kiste Bier, und schaut im Kühlschrank, ob noch ein „Absturzbeschleuniger“ drin ist. Und dann erzählt man sich Geschichten. „Es sind seit 40 Jahren dieselben Geschichten, aber die klingen jedes Mal anders. Wir lügen nicht, aber wir sagen tüchtig die Unwahrheit. Denn jeder erzählt die Geschichte, die er mal gehört hat, immer wieder so, als hätte er sie selbst erlebt. Demnach müssten einige noch mit Columbus hier vorbei gesegelt sein. Das ist das Interessante hier in Schillig und das Besondere an unserem Camper-Leben!“ 

 

 
 

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MEHR INFOS ZUM THEMA FINDET IHR HIER

CAMPING IM WANGERLAND

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Alles klar, wir haben verstanden. Und danke, Willi, dass wir in dein Herz schauen durften! Danke, dass du uns Camping aus einer neuen, faszinierenden Perspektive gezeigt hast. Fakt ist: Willi glaubt an das, was er fühlt und sagt. Besuchen Sie ihn doch mal auf dem Campingplatz in seinem Wohnwagen. Und erleben Sie ihn selbst. Das ist unbezahlbar! Es schadet übrigens nicht, wenn Sie ein 24-Röhrengerät im Gepäck haben..

 

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Text: Sylke Sdunzig  /  Foto: Tom Tautz  /  Videointerview: Dorian-Vasco Nagel

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TIDENTYP

NIKO GORETZKI

Angekommen im Surfer-Paradies Hooksiel

 

Der starke Wind pfeift Niko und seinen Schülern auf der Nordsee um die Ohren. Kiten ist für Niko kein romantisches Dahingleiten, sondern er und sein Team haben sich mit Herz und Seele dem Wassersport verschrieben. Wir haben den smarten Sportler und Unternehmer auf dem Festland am Strand von Hooksiel erwischt.

 
 

Teaser

 
 

Wir sind fasziniert vom Anblick der Menschen, die hier übers Wasser gleiten, als gäbe es kein Morgen. Niko Goretzki geboren in Essen, im Ruhrgebiet, verbrachte hier oben an der Küste mit seinen Eltern und Großeltern von klein an die Ferien; das erste Mal mit drei Jahren. Schon früh entdeckte er seine Begeisterung fürs Windsurfen – die kalte, raue Nordsee hin oder her. „Für einen Windsurfer war das hier das Epizentrum, ein Paradies“, erinnert er sich. „Durch den Surfsport bekam der Sielort Hooksiel für mich eine ganz neue Anziehungskraft. Die Region hat mich damals richtig gefesselt, und so habe ich jeden Tag meiner Ferien hier verbracht.“

 
 
 

Der Soundtrack zur Geschichte von 3 Miles to Essex
(aufgenommen in der Kirche am Meer @ Schillig)

 
 
 
 
 
 
 

Die früh erkannte Leidenschaft hat der smarte Surfer, mit den strahlenden Augen und einer unglaublichen Aura zum Beruf gemacht. Und das mit Erfolg: Seine Nordsee Academy ist seit über 15 Jahren die Surfschule an der Nordsee. An den Standorten in Hooksiel und Schillig im Wangerland an der Nordsee vermittelt das junge Team um Niko Goretzki die Faszination von Windsurfen, Kitesurfen, Landboarding und Stand-Up-Paddling. Alles fing damit an, dass Nikos Eltern ein Haus in Hooksiel gekauft haben. Niko, der heute 30 ist, ist damals gleich aufs Board gestiegen. Und so hat er heute, 20 Jahre später, die Erfahrung, die es braucht, wenn man eine erfolgreiche Surfschule betreiben will. Davon mal abgesehen: „Ich bin zumindest noch der beste Windsurfer in unserem Team“, sagt er und grinst, natürlich ohne jede Arroganz.

 

Videointerview

 
 
 

„2004 habe ich das erste Mal in Hooksiel angefangen zu kiten. Hooksiel ist ja eine der Brutstätten des Kitesurfens in Deutschland; seit ich hier bin, waren auch immer schon Kiter da. Damals schon war das Niveau sehr hoch, weil die Region hier oben perfekt dafür ist, gerade auch die Kombination mit der Wasserskianlage in Hooksiel war optimal.“ Natürlich gibt es mittlerweile größere Spots in Deutschland wie die Insel Fehmarn. „Aber wir haben hier oben den großen Vorteil, dass wir mit den Standorten Hooksiel und Schillig/Horumersiel eine tolle Qualität an Spots haben, die sich super ergänzen. Es gibt kaum einen anderen Spot an der Nordsee außer Schillig, der einen Nord-Süd-Verlauf hat. Und dadurch kann man zum Beispiel Windrichtungen abdecken, die man sonst an der westlichen ostfriesischen Küste nirgendwo bedienen kann“, erklärt uns Niko fachmännisch. „Und das ist unser großes Glück, dass wir beide Standorte benützen können. Wenn es in Hooksiel ablandig ist, gehen wir einfach nach Schillig.“ So einfach ist das und so - perfekt.

 

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hier gibt's alle INFOS ZUM surfen und kiten in hooksiel und schillig

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Niko weiß, wovon er spricht und worauf es beim Surfen ankommt, immerhin macht er seit Jahrzehnten nichts Anderes, also fast. „Es gab diesen Surf-Shop in WHV, der einen Wettbewerb im Windsurfen ausgerichtet hat, den ich habe gewonnen habe. Und der erste Preis war ein Kitekurs. Ich bin damals nicht gerade vor Freude in die Luft gesprungen, da sich die Surfer- und Kiter-Szene damals nicht ganz so grün waren.“ Aber einem geschenkten Gaul... Im Jahr drauf hat Niko dann den Kurs gemacht - und konnte bereits am ersten Tag kiten. Ein Naturtalent! Als er ein Jahr später wieder kam, durfte er direkt als Kite-Lehrer mit einspringen. „Danach lief das Kiten eher nebenbei, Windsurfen war schließlich meine Hauptsportart. Und zu der Zeit war ich in der Disziplin Freestyle wahrscheinlich unter den zehn besten Windsurfern Deutschlands“, erzählt uns Niko, als wäre es die normalste Sache der Welt. 

 
 

Hooksiel ist längst Nikos zweite Heimat geworden - nicht nur als Sportler, sondern auch als Unternehmer. Dabei hatte das schlaue Köpfchen ursprünglich ganz andere Pläne: „Erst habe ich BWL in Kiel und Hamburg studiert." – auch, dass er sein Studium mit 1,0 abgeschlossen hat gehört zu seiner Geschichte). "Aber ich habe während meines Studiums immer versucht, den Sport so semiprofessionell wie möglich weiter zu führen und habe meine Semesterferien immer dort verbracht, wo Wind war. Orte wie Venezuela, Südafrika und so. Und immer, wenn die Zeit es zuließ, war ich hier in Hooksiel und habe als Windsurflehrer gearbeitet und schließlich auch die Kitesurf-Ausbildung gemacht.“

 
 

In seiner Surfschule, der Nordsee Academy, kann er jetzt BWL-Studium und Surf-Leidenschaft perfekt verbinden. Gelernt ist gelernt: „Die Windsurfschule gibt es ja schon etwas länger, seit 17 Jahren. Und seit ich 13 bin, war ich mit dabei.“ Mit dem früheren Besitzer, der auch aus dem Ruhrgebiet stammt, hat sich Niko angefreundet und jahrelang zusammengearbeitet, bis er mit Anfang 20 die operative Leitung übernommen hat. Die Schule lief wie geschmiert: „Wir hatten mehrere Standorte und eine gute Größe, dass man davon hätte locker leben können.“ Aber Niko hatte auch noch diesen anderen Ehrgeiz - die akademische Karriere: „Ich habe ein Jahr lang promoviert, und das erste Teilprojekt meiner Dissertation wird auch gerade in einem amerikanischen Journal veröffentlicht. Aber ich habe einfach gemerkt, dass mich die Arbeit am Schreibtisch nicht ausfüllt und ich mich voll und ganz auf mein Unternehmen hier oben konzentrieren möchte. “ Zum Glück, denken wir uns insgeheim. 

 
 

Auch wenn sein Alltag hier oben zwangsläufig aus viel Routine und Arbeit am Computer besteht: Einer wie Niko, der so viele Talente hat, steht nicht still. So überlegt er sich mit seinem Team neben den täglichen Kursen immer wieder neue Events: „Zum Beispiel, dass wir hier oben das zweite Mal ein großes Kite-Event organisieren, die „Schillig Beach Days“. Ja, Abwechslung muss sein für einen wie Niko, der immer ein bisschen mehr will: „Es geht nicht nur darum, dass die Leute bei uns kiten lernen. Sondern wir wollen auch möglich machen, dass Hunderte von Menschen bei uns ein gutes Wochenende haben, mit Livemusik und den ganzen Herstellern, die sich hier präsentieren.“ 

 
 

Wenn man mit Niko spricht, dann weiß man: Da ist noch viel Luft nach oben, zumal das Kitesurfen boomt: „Gerade auch hier im Wangerland, davon bin ich ganz fest überzeugt, wird das Kitesurfen ein ganz wichtiger Bestandteil bleiben. Wir haben extrem viele Partnerschaften und arbeiten mit mehreren Universitäten zusammen. Auch das Thema Kitesurfen für Jugendliche wird immer interessanter.“

Und wo ginge es so gut wie hier im Wangerland, unter Nikos fachmännischer Ägide? Eben!  Er könnte überall leben, aber hat sich für das Wangerland entschieden. Was für eine Liebeserklärung an diese Region! Danke, Niko. Auch dafür, dich auf dem Wasser kiten zu sehen ...

 

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Text: Sylke Sdunzig  /  Foto: Tom Tautz  /  Videointerview: Dorian-Vasco Nagel

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NORDSEE-LIEBE

ANJA SEIDL-VOGT

Nordseerauschen und ganz viel Liebe in der Luft

 

Hooksiel im Wangerland an der Nordsee ist bekannt für seinen traumhaft schönen, weißen Sandstrand; seit Jahrzehnten ist es der Hotspot für Surfer, Kiter und Wasserski-Fans. Wir sind auf dem Weg zu den Skiterrassen Hooksiel und haben eine klare Mission: Wir wollen herausfinden, was eine große Nordsee-Liebe mit Strandhochzeiten und einer Wasserskianlage zu tun hat.

 
 
 
 

Anja Seidl-Vogt lebt zunächst in München; sie ist alleinerziehend mit drei kleinen Kindern, hat eine sehr schöne Wohnung, einen guten Job und ein perfektes soziales Umfeld. Rote lange Haare hat sie; hübsch, fröhlich und sehr offen trifft sie vor 13 Jahren bei einer Geschäftsreise in Hamburg auf Hans-Ott Vogt. „Ich habe Hansi in der Sauna kennengelernt, wo wir ins Gespräch gekommen sind. Wir haben uns auf Anhieb verstanden, ich war hin und weg. Er erzählte mir, dass er gerade überlegt, ob er das Familienunternehmen in Hooksiel übernehmen und weiterführen soll oder eben nicht. Ich hatte keine Ahnung, was ein Wasserskilift ist und wie das eigentlich alles funktioniert, aber ich fand den Typen einfach nett. Wir hatten einen schönen Abend zusammen und als wir unsere Kontakte ausgetauscht haben, stellten wir fest, dass uns knapp tausend Kilometer trennen“, erzählt uns Anja.

 

Ein bayerisches Sprichwort sagt: "Nichts glüht so heiß, wie die Liebe zwischen Bayer und Preiß" (Preiß = Norddeutscher).

 
 

Der Soundtrack zur Geschichte von 3 Miles to Essex

 
 
 
 
 
 
 

„Ein halbes Jahr später kam Hansi aus dem Skiurlaub auf dem Rückweg bei mir in München vorbei. Wieder hatten wir eine total schöne Zeit, und zwei Wochen später hat er mich eingeladen, einfach mal an die Nordsee nach Hooksiel zu kommen. Er stand kurz vor der Neueröffnung der Wasserskianlage und wollte mir alles zeigen“, erzählt Anja weiter. Seit zwölf Jahren lebt die gebürtige Münchnerin nun im Wangerland an der Nordsee. „Das war der Beginn einer riesengroßen Liebe, als ich das erste Mal hier oben an der Nordsee war, war ich völlig geflasht, richtig verzaubert. Ich war sofort ins Wangerland verliebt! Nicht nur in die Gegend, sondern auch in den Mann,“ sagt die 45-Jährige in einem Bayerisch, als wäre sie nie weggewesen.

 

Videointerview

 
 
 

Und wo ist dann Heimat? „Ich bin in München geboren, das ist meine Stadt. Ich liebe sie über alles; mein Leben dort war perfekt. Aber alles das ersetzt nicht die ganz große Liebe, die ich gefühlt habe, als ich Hans-Ott das erste Mal gesehen habe. Anfangs bin ich jedes zweite Wochenende ins Wangerland gefahren und habe ein bisschen mitgeholfen und gemerkt, dass Hansi Unterstützung gebrauchen kann. Alle 14 Tage war ich mittendrin und irgendwann kam der Gedanke auf, wie es weitergeht. Eine Fernbeziehung über Jahre kam für uns nicht in Frage. Und die Kinder mussten alle in weiterführenden Schulen. Und so haben wir kurzerhand beschlossen, hier oben gemeinsam neu zu starten. Ich habe meinen Job und meine Wohnung gekündigt und bin mit meinen drei Kindern im Gepäck hier hoch gezogen. Vor zwei Jahren haben wir dann auch geheiratet“, erzählt uns Anja mit strahlenden Augen.

 
 

Stichwort Heirat: Anja und Hans führen nicht nur ein beliebtes Familienunternehmen, sondern richten längst auch Strandhochzeiten und Feierlichkeiten aus. Sie leben und arbeiten zusammen. Geht das immer gut? „Ja, denn wir haben seit Beginn unserer Beziehung sehr eng zusammen gearbeitet, selbst an den Wochenenden, an denen ich anfangs nur zu Besuch hier war. Allerdings ist es heute so, dass die Kinder groß sind und ihre eigenen Wege gehen. Jetzt ist so langsam die Zeit gekommen, dass wir mehr Zeit zu Zweit verbringen können und das genießen wir gerade sehr“, verrät uns Anja.

 
 

Was gibt es schöneres, als eine romantische Trauung in einem weißen Pavillon direkt am Sandstrand von Hooksiel - Meeresrauschen inklusive - zu erleben? Wer an einem Strand im Wangerland an der Nordsee heiratet, braucht vor der wunderschönen Kulisse nicht wirklich viel, um glücklich zu sein. Da zählt eine frische Brise, Meerluft im Haar und ein glückliches Funkeln in den Augen. Und wenn man eine Anja Seidl-Vogt in der Nähe hat, die sich um alles kümmert, dann wird es eine Traumhochzeit, versprochen! „Wir geben wirklich alles, damit sich unsere Brautpaare wohlfühlen und schmücken den Pavillon sehr stilvoll, romantisch und es wirkt fast schon unecht, so malerisch ist die Hochzeitskulisse am Strand von Hooksiel“, schwärmt Anja. An einem Strand zu heiraten ist etwas ganz Besonderes, aber an einer Wasserskianlage zu feiern, das ist - in diesem Fall - traumhaft schön. Hochzeiten auszurichten ist Anjas Steckenpferd - diesen Zweig hat sie mit ins Unternehmen gebracht. „Eines Tages, als wir unseren neuen Wintergarten fertiggestellt hatten, habe ich diesen schön dekoriert. Ich liebe das, denn die anderen sollen sich wohlfühlen. Tagesgäste kamen vorbei und fragten: Wow, tolle Location, kann man hier auch heiraten?’ Damit fing alles an. Dieses Fieber, das ein Brautpaar in sich hat und die Aufregung während der Vorbereitungszeit, das ist ansteckend und macht die Arbeit so erfüllend. Vor allem, wenn das Brautpaar und die Gäste happy sind und mit einem riesigen Dankeschön abreisen. Das ist das schönste Gefühl, das man im Job nicht selbstverständlich bekommt“, sagt Anja. 

 
 

Ist das vielleicht auch das Geheimrezept für die eigene große Liebe? „Das was uns zusammenhält, ist unser „Baby“ und das ist unser gemeinsames Ziel, aus unserem Unternehmen das Beste zu machen. Wir leben unseren gemeinsamen Traum. Hansi und ich arbeiten beide daran, dass Brautpaare einen wunderschönen Tag bei uns haben. Aber wir tun auch viel dafür dass unser Team glücklich ist. All das schweißt zusammen. Wir gehen abends nicht nach Hause und schalten ab. Es ist nicht nur unser Job - es ist unser Leben und wir lieben was wir tun“, erzählt uns Anja weiter.

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