Landfrau

ANKE EDEN-JÜRGENS

„Das Landleben zwischen Kinderlachen und Kühen hält jung!“

 

Vergessen wir mal alle Vorstellungen, die wir von einer Landwirtin haben: Anke Eden-Jürgens, 53, ist anders. Das fängt damit an, dass sie sich nicht dem Klischee eines eintönigen Landlebens fügt. Anke denkt mitten im Leben und genau deshalb ist die leidenschaftliche Landfrau mit dem ansteckenden Lachen und der Aura einer Powerfrau so erfolgreich. Alles was sie anpackt, tut sie mit großer Begeisterung. Gebürtig aus der Nähe von Friedeburg, hat Anke vor knapp 19 Jahren zusammen mit ihrem Mann Carl einen Hof in Förriesdorf im Wangerland gekauft und betreibt hier eine moderne Milchviehwirtschaft. Die Begeisterung für Kühe gibt sie auch an junge Generationen weiter, weshalb oft Schulklassen zu Besuch sind. Aber das ist längst nicht alles...

 
 

Wir staunen nicht schlecht, als wir Anke Eden-Jürgens auf ihrem Hof besuchen dürfen: 200 Milchkühe hat die Familie in ihrem hochmodernen Stall stehen. Ansonsten betreiben die Eden-Jürgens auch Ackerbau, bauen Getreide an und Mais, aber alles nur für den Eigenbedarf, für die Tiere. Der große Hof, auf dem sie mit der Großfamilie lebt, ist für sie ein Paradies: „Die Wangerländer haben uns ganz, ganz herzlich aufgenommen, und wir fühlen uns hier pudelwohl.“

 

Ihr arbeitsreicher Tag beginnt in der Regel zwischen 5 Uhr und 6 Uhr früh, dann geht es in den Stall, die Kühe melken. Und die blicken, als wir den Stall betreten, ganz zufrieden drein. Was vielleicht auch daran liegt, dass die Chefin beim Melken öfter mal Musik hört, in diesem Fall „American Pie“: „Unsere Kühe kennen das, die warten schon drauf. Wir machen ja alles, damit es unseren Tieren super gut geht, die können sich auch ihr Futter selber holen und kriegen Massagen.“

 
 

Teaser-Video

 
 
 

Der Soundtrack zur Geschichte von 3 Miles to Essex
live aufgenommen in der Kirche am Meer in Schillig

 
 
 
 
 
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Die Liebe zu den Tieren und zu ihrer Arbeit, die spürt man bei Anke Eden-Jürgens in jedem Moment. Sie selbst kommt auch vom Bauernhof, insofern war ihre Berufswahl eine unkomplizierte Sache: „Für mich stand immer fest, ich wollte etwas mit Landwirtschaft machen, und da haben meine Eltern gesagt, da gehst du erst mal in die ländliche Hauswirtschaft.“ Und genau das hat sie getan. Ihr Handwerk hat sie in der Landfrauenschule in Stade gelernt, bis sie dann als ländliche Hauswirtschaftsmeisterin mit Carl den eigenen Hof übernahm und seither den Laden schmeißt: „Man ist eigentlich Managerin überall, auch Familienmanagerin, in Haus und Garten. Die Büroarbeit erledige ich auch, oder ich muss mal Teile holen vom Landtechnikunternehmen.“ Das, erklärt sie uns, sei ihr Leben und so wollte sie es auch. Daran haben wir nicht den geringsten Zweifel.

 
 

Videointerview

 
 
 

Auf dem Hof ist Anke Mädchen für alles und noch viel mehr, obendrein betreut sie noch das eine oder andere Projekt, etwa vom Erzeuger bis zur Ladentheke: „Da zeigen wir den kleinsten Verbrauchern schon, wo die Erzeugnisse herkommen.“ Eine andere Herzensangelegenheit ist das Projekt Kochen mit Kindern, verrät sie uns und ihre Augen leuchten mal wieder: „Das mache ich seit über zehn Jahren mit einer Freundin zusammen und das begeistert mich immer wieder, den Kindern zu zeigen, was man aus diesen regionalen Produkten für tolle Sachen zaubern kann!“

 
 

Aber das ist nicht das einzige Ehrenamt, das sie innehat: Sie engagiert sich auch im Kreislandfrauenverband Friesland-Wilhelmshaven, wo sie im Vorstand und für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. „Mir liegt das einfach, mit Leuten umzugehen; ich mochte das schon immer gerne, Projekte angehen und für alles offen sein. Gerade im Landfrauenverband, das ist ein wahnsinniges Zugehörigkeitsgefühl!“

 
 
 
 

Ein paar Buchstaben können so viel ändern. Beispiel: Aus Kultur wird Kuhl-Tour, und schon ist alles gut, denn genau das ist die Milch-Kuhl-Tour: eine richtig gut Sache.

 

Mehr über die Landfrauen vom KreisLandFrauenverband Friesland/Wilhelmshaven
findet ihr hier: 
www.landfrauen-friesland-wilhelmshaven.de

Und zu den Infos über die Milch-Kuhl-Tour geht es hier lang:
www.kreislandvolk-friesland.de 

 

Eine wie Anke Eden-Jürgens steht nicht still, weshalb die begeisterte Radfahrerin unlängst ein weiteres Projekt mit ihrer Bekannten Birgit Luiken ins Leben gerufen hat: die Milch-Kuhl-Tour, eine Fahrrad-Route, die direkt bei ihr am Hof vorbeigeht. „Wir wollten eine nicht zu stark befahrene Route, sie sollte ja fahrradtauglich und erfahrbar sein. Und wir haben uns überlegt, dass die Tour in Jever starten sollte, weil dort früher am Alten Markt der Hauptumschlagplatz für landwirtschaftliche Erzeugnisse war.“

 
 

25 Kilometer führt die Milch-Kuhl-Tour ab Jever durchs Wangerland; wobei acht Silhouetten einer lebensgroßen, stählernen Kuh mit Kälbchen einen bestimmten Aspekt im Leben einer Milchkuh thematisieren. Wann gibt eine Kuh erst Milch? Warum ist die Region so grün? Solche Fragen werden per QR-Code beantwortet. Eine grandiose Idee: „Wir wollen damit zeigen, dass diese Kulturlandschaft von der Landwirtschaft, ganz besonders von der Milchwirtschaft so gestaltet worden ist. Dass wollen wir auch den Menschen aus den Großstädten nahebringen, denen wollen wir diesen besonderen Blick gewähren.“

 

Anke Eden-Jürgens tut viel dafür, dass das die Landwirtschaft im Wangerland nicht stehen bleibt. Entsprechend rosig blickt sie in die Zukunft: „Also ich sehe die Zukunft der Landwirtschaft im Wangerland sehr positiv, dadurch dass das hier so vielseitig ist. Die Produkte, die hier hergestellt oder verarbeitet werden, das ist ja nur Qualität!“

 
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Und wenn sie mal nicht am Melken, auf dem Grünland oder mit den Landfrauen unterwegs ist, dann geht sie mit ihrem Mann tanzen, in einen Tanzsport-Club. „Wir gehen einmal die Woche zum Tanzen und das macht ganz viel Spaß, da denkt man an nichts und kann so richtig gut abschalten. Da ist man ganz bei sich.“ Und wenn sie dann wieder nachhause radelt, gerät sie wieder ins Schwärmen: „Wenn man an der frischen Luft durch die wunderschöne Natur fährt, diese Weite, das ist einfach nur schön. Das ist Lebensqualität, die unbezahlbar ist.“ 

 

Oh ja, wir geben ihr recht. Die Landschaft im Wangerland ist etwas ganz Besonderes, eine einzigartige Kulturlandschaft, deren Schönheit verführerisch ist. Und das nicht nur für die Kühe...

 
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Text: Sylke Sdunzig  /  Foto: Tom Tautz  /  Video: Dorian-Vasco Nagel

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Wassermann

CARSTEN W. IHNKEN

Helfen als Haltung. Helfen, natürlich! Der Menschenfreund.

 
 

Seenotretter, Rettungsschwimmer, Vorsitzender eines Fußball-Fanclubs, Angler, Teamplayer, Freund, Onkel, Sohn und - rund um die Uhr hilfsbereit. Carsten W. Ihnken hat seine Berufung gefunden und das seit über 20 Jahren: helfen! Jederzeit und überall, am liebsten auf dem Wasser oder im Wasser. Und das konsequent. Im Wesentlichen zählen nur zwei Aspekte: einerseits die Aufgeschlossenheit und der Mut, andererseits Tatendrang. Sehr gut, dachten wir uns, denn damit stand fest, wen wir hier gleich treffen werden. Wie wäre es also mit einem echten Wassermann? 

 

Ein gepflegtes Einfamilienhaus mitten in Horumersiel. Die Sonne lacht vom Himmel, es scheint ein guter Tag zu werden. Hier wohnt unser heutiger „Mensch am Meer“, Carsten W. Ihnken. Für Carsten ist es heute gleich zweimal aufregend. Zum einen gibt er uns heute ganz persönliche Einblicke in sein Leben, zum anderen hat er Geburtstag. So fangen drei völlig fremde Menschen mit Kuchen und Wunderkerze in der Hand vor seiner Haustür, einfach erst einmal an, zu singen: „Happy Birthday, Carsten...“ 

 
 

„Moin! Ich bin überwältigt“ lacht er uns entgegen. Und wir erst. Wow, was für eine Erscheinung. Groß, stark gebaut und eine warmherzige Art, die einfach ansteckend ist. Carsten fährt mit uns durch seinen Heimatort. Hier ist er am liebsten, aber seit ein paar Jahren wohnt er in Ganderkesee, weil er bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger DGzRS in der Zentrale arbeitet. Nebenbei ist er nach wie vor freiwilliger Seenotretter auf der Außenjade. In der Freizeit fährt er oft "nach Hause", nach Horumersiel ins Wangerland. Und ab 2018 wohnt er wieder ganz in Horumersiel, denn Carsten baut hier gerade sein Haus. Er kann einfach nicht ohne Wasser. Und wenn man mit ihm durch den Ort fährt, bekommt man schnell das Gefühl, die Wangerländer können ohne ihren Carsten eigentlich auch nicht. „Anonymität kennt man hier nicht. Hier kennt jeder Jeden. Fast jeder in Horumersiel ist mindestens in einem oder mehreren Vereinen wie Feuerwehr, DLRG, DGzRS, Sportverein, Karnevalsverein, Segelverein, Musikgemeinschaft oder HSV-Verein. Hier lernt man sich kennen und schließt Freundschaften“, verrät uns Carsten.

 
 
 
 

Hilfsbereit ist Carsten von Kindesbeinen an gewesen, aber er hat noch einen draufgelegt. Carsten macht so ziemlich alles, was man hier oben an der Küste unter dem Genre „Helfen“ finden kann. Sein Credo: Teamplayer, hilfsbereit, geduldig, mutig sein und Probleme lösen. Das ist für Carsten wichtiger als jede Tapferkeitsmedaille. „Seenotretter bei der DGzRS zu sein, ist mein Hauptsteckenpferd und meine große Leidenschaft, dazu bin ich noch ziemlich aktiv in der DLRG und war der mit den meisten Wachstunden in den letzten zehn Jahren. Nur ein älterer Kollege hat noch mehr Wachstunden auf der Uhr“, erzählt uns Carsten fast verlegen. Wer glaubt, dass war schon alles? Selbstverständlich nicht. Eine Woche hat 7 Tage, da geht noch einiges. „Ich bin Mitbegründer und Präsident 1887° Nord vom HSV-Fanclub in Horumersiel, im Angelverein und im Spielmannzug unterstützend tätig. Außerdem, und da gehe ich ebenfalls leidenschaftlich drin auf, spiele ich Fußball mit meinen Jungs und habe eine Jugendfußballgruppe gegründet, damit die Jugend was zu tun hat und nicht auf dumme Gedanken kommt. Jeder der Lust auf Fußball hat, kann mit uns kicken“, verrät uns Carsten.

 
 

Wir fahren zum Hafen von Horumersiel, wo das 8,5-Meter-Seenotrettungsboot „Baltrum“ liegt. Die Station Horumersiel gehört zu den ältesten Stationen der DGzRS. Das Revier, die Außenjade, ist stark von den Gezeiten geprägt und erstreckt sich südlich bis nach Hooksiel und nördlich bis zur Insel Wangerooge. Hier auf der Station Horumersiel arbeitet Carsten ehrenamtlich als Seenotretter. „Hauptberuflich bin ich Einsatzleiter im MRCC (Maritime Rescue Coordination Centre) bei den Seenotrettern in der Zentrale in Bremen. Ich koordiniere Seenotfälle auf Nord- und Ostsee sowie weltweit – zum Beispiel Grönland, Japan oder Island.", erklärt er uns. Mit Island verbindet Carsten etwas ganz besonderes: Im Rahmen eines Austauschprogramms der "International Maritime Rescue Federation" besuchte er die Nord-Insel acht Tage und lernte dort seinen Kollegen Jón Arnar Gestsson kennen, den er später bei einem Einsatz auch am Telefon hatte. Hin und wieder findet man ihn auf der Station Norderney, wo er als vierter Mann auf dem Rettungskreuzer "Bernhard Gruben" fährt. 

 
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Der Soundtrack zur Geschichte von 3 Miles to Essex

 
 
 
 
 
 

Wir dürfen sie betreten, die heiligen Hallen, das Stationsgebäude, in dem auch das Ruderrettungsboot „August Grassow“ erhalten ist. Es war früher in Westeraccumersiel stationiert, wo noch heute der historische Rettungsschuppen der DGzRS steht. Es riecht nach Salz, nach Wattenmeer und nach Geschichte in diesen Räumlichkeiten. Wir sind beeindruckt und fasziniert zugleich. Stillschweigend laufen wir über eine Wendeltreppe in den ersten Stock des Gebäudes, wo sich der Mannschaftsraum befindet. Und wo Carsten wie selbstverständlich einen köstlichen Ostfriesentee für uns zubereitet. Auf die Frage, was denn die größten Fehlverhalten auf der Nordsee sind, verrät uns Carsten: „Viele Leute, die wir retten müssen, denken oft, sie seien gut vorbereitet. Aber meistens sind sie das nicht. Mit der Materie kennt sich oft nur der Skipper aus, aber wenn der ausfällt, was dann? Wissen die anderen an Bord, was zu tun ist, weiß er wie man Position nimmt, weiß er, wie man Rettungseinheiten erreicht? Das sind die Sachen, die nach meiner Beobachtung immer wieder passieren“.  

 

Videointerview

 
 

Wir fragen uns, ob Carsten vielleicht ein Helfersyndrom hat. Ja, aber ein Gutes, von dem wir uns alle ein Scheibchen abschneiden dürfen. „Hilfsbereitschaft“ als Charaktereigenschaft und entspanntes Lebensgefühl. Die mutige Gelassenheit im Vertrauen auf die eigene Glückskindschaft und die Fähigkeit, im entscheidenden Moment zielsicher handeln zu können. Das ist eine gesunde Lebenseinstellung!

 
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Text: Sylke Sdunzig  /  Foto: Tom Tautz  /  Videointerview: Stefan Sobotta

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FRIESEN-CHEF

GERD KELTERBORN

Die treuen Gefährten der Küste

 

Reif für Urlaub? Dann nichts wie ab an die Nordsee! Für alle, die im Alltag immer sehr hart am Puls der Zeit leben, bieten Gerd und Ute einen Ort, um sich mal wieder der eigenen Herzfrequenz zu widmen. Urlaub mit der ganzen Familie auf einem Pferdehof hat seine Vorzüge - auch wenn man nichts mit Pferden am Hut hat. Wer’s nicht glaubt, fragt Gerd Kelterborn, Pferdemensch und „Friesen“-Chef auf dem Frieslandstern in Minsen im Wangerland, jenen Mann, der mehr Pferde in seinem Leben geputzt hat als andere ihre Wohnungen.

 
 

„PFERDE SIND MEIN LEBEN!“


Konzentriert zieht Gerd mit dem Gummistriegel weite Kreise auf dem schwarzen Fell von „Gerke“, ein wunderschönes Pferd, während Sonja die anderen Friesen aus den Boxen holt. Der anmutige Hengst hält ganz still und lässt sich alles geduldig gefallen. Er weiß, dass er gleich vor einen Wagen gespannt wird. Das kennt er schon und es scheint ihm zu gefallen, bei Wind und Wetter über die Weiden und Deiche durchs Wattenmeer zu galoppieren. 
 

Der Frieslandstern ist Gestüt und Hotel in einem. Im Jahr 2018 feiert er sein 30-jähriges Bestehen im Besitz der Familie Eden. „Früher, bis 1972 war das Gebäude eine Molkerei, danach alles Mögliche. Von Hundepension bis Wäscherei, bis meine Eltern das Gebäude gekauft haben und ein Hotel daraus bauten“, erzählt uns Ute, die Lebensgefährtin von Gerd. „Wir haben über 200 Gäste pro Tag und 56 Wohneinheiten, die den gesamten Sommer über komplett ausgebucht sind. Familien mit Kindern, Paare mit oder ohne Kinder, Reit-Erfahrene oder Besucher, die Pferde nur von Fotos kennen oder ganze Hochzeitsgesellschaften kommen zu uns. Auf die Friesen dürfen nur Gäste reiten, die auch reiten können. Da bin ich streng. Anfänger können Reitstunden nehmen, und für Kinder haben wir unsere Ponys, die meine Mädchen betreuen“, erzählt uns Gerd weiter.

 
 
 
 
 

Der Soundtrack zur Geschichte von 3 Miles to Essex

 
 
 
 
 
 

Reiten gehört zu den beliebtesten Hobbies der Deutschen und ein eigenes Pferd ist für viele ein lang gehegter Kindheitswunsch. Gerd Kelterborn erfüllt auf seinem Gestüt seinen Gästen diesen und noch viele andere Wünsche. Eins war von Anfang an für uns klar, als wir Gerd und Ute auf ihrem Gestüt besuchten: Gerd ohne seine Friesen, ist so wie Asterix ohne Obelix. Unvorstellbar. „Ich bin von klein auf mit Pferden aufgewachsen. Wir hatten auf unserem Hof in Ostiem (kleiner Ort in Friesland) Oldenburger, Vollblutpferde und Arbeitspferde“, erzählt uns Gerd. 

 

Gerd hat Landwirt gelernt und hatte immer mit Pferden zu tun. Danach ging er ein paar Jahre zur Marine und dort wurde ihm bewusst: „Nee, alles andere geht nicht. Ich muss was mit Pferden machen!“ Pferde verheißen Freiheit und Abenteuer, verkörpern Kraft und Schnelligkeit, sind anmutig und elegant. Er lernte Bereiter und machte seine Meisterprüfung. Jetzt ist er Pferdewirtschaftsmeister und das ist sein Leben. Gerd erzählt uns, „ich habe nie etwas anderes in meinem Leben gemacht, als Pferde zu reiten, Pferdekutsche zu fahren, Pferde auszubilden und Reiter ausbilden. Irgendwann habe ich mich von meinem Hof in Ostiem getrennt und bin auf den Hof von Ute gekommen. Erst hier habe ich die Friesen kennen- und lieben gelernt“.  

 
 

Videointerview

 
 
 

Wer schon einmal auf einem Friesen saß und beim Galopp den Wind in den Haaren spürte, weiß, was Freiheit ist. Warum lieben die Gäste vom Frieslandstern insbesondere die Friesen? „Weil Friesen Freiheit verkörpern. Weil es mehr Spaß macht, Friesen zu putzen als das Haus oder das Auto. Weil Friesen Menschen zusammenbringen. Für meinen Job, den ich hier auf dem Hof ausübe sind die Friesen perfekt. Sie sind gutmütig, nicht so wild und die Leute die uns besuchen lieben sie. Die Friesen lassen sich gut reiten, sind zuverlässig und brav“, sagt Gerd. 

 

Und wie sieht so ein Tag auf dem Frieslandstern aus? „Früh morgens stehe ich auf und bereite alles für die Friesenreitstunde und den Ausritt vor. Die Gäste fangen an, ihre Pferde zu putzen, und ich habe dann noch Zeit für einen Kaffee. Danach mache ich mein Pferd fertig und wir gehen auf die Bahn. Um 9 Uhr reiten wir alle gemeinsam aus dem Hoftor raus und beginnen mit dem Ausritt. Wir reiten dann mit unseren Gästen an den Strand. Ich habe die Genehmigung und Erlaubnis, als Nationalpark- und Wattführer am Strand oder im Watt zu reiten. Bei Ebbe reiten wir bis zur Fahrrinne in Richtung Vogelschutzinsel „Minsener Oog“. Ein wunderschönes Erlebnis, was man nicht missen möchte“, erzählt uns Gerd freudestrahlend und stolz.

 
 

„Eines Tages kam eine Dame zu mir und wollte am Strand heiraten. Eine tolle Idee, dachten wir und seitdem richten wir mit mehreren Kollegen in Schillig Strandhochzeiten aus. Das macht so viel Spaß und die Gäste sind immer gut gelaunt und sehr aufgeregt“, erzählt uns Ute. Strandhochzeiten sind im Wangerland sehr beliebt. Kein Wunder, was gibt es Schöneres, als barfuß an einem weißen Sandstrand mit dem Meer im Rücken „ja“ zu sagen! Allerdings sollte man sich frühzeitig um einen Termin im Standesamt Hohenkirchen kümmern. Wenn man diesen hat, ruft man Ute im Frieslandstern an. Dann, so würden die Wangerländer sagen, „löppt dat!“. 

 

„Ich kümmere mich um alles, damit das Brautpaar und die Gäste ein wunderschönes Hochzeitsfest erleben“. Friseur, Torte, Blumen und Deko - alles kein Thema für Ute, die mittlerweile zur „Weddingplannerin“ geworden ist.  

 

Ganz weit draußen, kurz vorm Deich statt mittendrin. Besser, ganz weit oben - auf einem Friesen! Oder auch einfach nur Urlaub machen in einem ganz tollen Hotel im Wangerland. Oder heiraten. Sie haben die Wahl. Wir würden dort so ziemlich alles machen!

 
 

Mehr Informationen zum "Frieslandstern" erhaltet ihr hier

Familotel Frieslandstern
Störtebekerstraße 13
2634 Wangerland - Horum

Telefon 04426 945 0
info@friesland-stern.de
www.frieslandstern.de

 

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Text: Sylke Sdunzig  /  Foto: Tom Tautz  /  Videointerview: Stefan Sobotta

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VOGELFREI

AndrÉ Kramer

Das Wunder Nationalpark Wattenmeer erleben

 

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Es gibt Menschen, die lieben es, eins zu sein mit sich selbst und der Natur. Und es gibt Menschen, die das sogar beruflich tun. Wunderbar, dachten wir uns, denn damit stand fest, wen wir heute für Luv & Lü treffen sollten. Wie wäre es mit einem hochinteressanten Kölner, der als Ranger im Wangerland an der Nordsee lebt und arbeitet und offensichtlich eine Leidenschaft hat, und das sind Vögel!

 
 

TEASER-VIDEO

 
 

Eine Rauchschwalbe und ein Sommergoldhähnchen hat sich der 29-Jährige daher auch auf den Arm tätowieren lassen. Seit zwei Jahren lebt er im Wangerland und arbeitet als Ranger im Nationalpark Wattenmeer. Die Natur zu bewahren, das ist sein Antrieb und es ist faszinierend zu sehen, wie Andrés Augen leuchten, wenn er über Vögel und das UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer spricht.

 
 
 

Der Soundtrack zur Geschichte von 3 Miles to Essex

 
 
 
 
 
 
 

André Kramers Reich, der Nationalpark Wattenmeer, ist beeindruckend: ein riesiges, 345.000 Hektar großes Terrain und immerhin Deutschlands zweitgrößter Nationalpark. Für die Tiere, die hier leben, ist es ein Paradies – genauso wie für André, der hier nach dem Rechten schaut und dafür sorgt, dass dieses einzigartige Wattenmeer bestehen bleibt. Dass er so naturverbunden ist, war ihm lange gar nicht klar: „Mein eigentlicher Berufswunsch war Berufsfeuerwehrmann, daher habe ich in Köln erst mal eine Ausbildung zum Forstwirt gemacht, weil das Voraussetzung war. Während der Ausbildung habe ich schnell gemerkt, dass ich sehr gerne draußen war.“

 

VIDEOINTERVIEW

 
 
 

In seiner Zeit als Forstwirt lernte André auch den einen oder anderen Ranger kennen und dachte sich insgeheim: „Das wäre genau meins!“ Aber der Beruf des Rangers ist begehrt, insofern hat sich André keine großen Hoffnungen gemacht: „Allein hier im Nationalpark kamen auf zehn ausgeschriebene Stellen knapp 400 Bewerber. Die Leute kommen aus ganz Deutschland auf diese Stellen, denn es gibt einfach viel zu wenig“, erzählt uns André.  

Umso glücklicher war er, dass sein Traum wahr geworden und er nun einer von zehn Rangern im Nationalpark Wattenmeer ist und ein Gebiet betreut, das sich über 100 Kilometer erstreckt, vom südlichen Jadebusen über Wilhelmshaven, Schillig, Bensersiel bis zum Dollart. „Ich muss dieses Gebiet allein beackern und bin hier die eierlegende Wollmilchsau“, erklärt uns André und irgendwie haben wir das Gefühl, dass er dieser Herausforderung durchaus gewachsen ist.

 
 

Es ist ein Job voller Abwechslung: Zu Andrés zahlreichen Aufgaben gehört es, Wege zu markieren, Beschilderungen erstellen, Landschaftskontrolle, Artenschutzmaßnahmen, Vogelbeobachtung, Pflanzenkartierung bis hin zu Führungen und Öffentlichkeitsarbeit. Besser geht’s kaum: „Es ist jeden Tag spannend. Und man kann im Kleinen noch was bewirken. Wir betreiben ja auch Strandbrüterschutz, wenn ein Vogel mehr wegen uns heranwachsen kann, dann ist schon viel gewonnen. Es gibt viele Arten, da ist es kurz vor zwölf. Und was weg ist, ist weg, das muss man sich vor Augen führen.“

 
 

Tatsächlich hat das, was André hier mit seinen Kollegen „im Kleinen“ bewirkt, globale Bedeutung: „Hier kommen jährlich zwölf Millionen Vögel her, und die kommen nur zu ihrem Überwinterungsgebiet durch, weil es das Wattenmeer und uns hier gibt. Mit Holland und Dänemark zusammen ist es quasi ein Wattenmeer“, erklärt uns André. Insofern ist Andrés Job keiner wie jeder andere. Und man muss mit dem Herzen dabei sein: „Sonst kannst du das nicht machen. Da vermischt sich auch vieles, Privates und Arbeit. Da fährst du auch Sonntagabend noch los, wenn was ist und zur Brutzeit muss ich schon um vier morgens hier sein.“ Zum Glück trägt Andrés Freundin, über die er sonst nichts verraten mag, seine Arbeit und sein Leben mit. Jetzt wollen wir aber doch mal wissen, was es mit seinen Tätowierungen auf sich hat. „Na, die Rauchschwalbe habe ich, weil es einfach tolle Viecher sind, wie die fliegen können! Und das Sommergoldhähnchen steht für alle Singvögel“, erklärt uns André.

 

 
 

 

Da klingt sie wieder durch, die Begeisterung und Leidenschaft, mit der dieser junge Ranger seinen Beruf angeht. Vom Herzblut mal abgesehen ist das Wichtigste eine scharfe Wahrnehmung: „Man muss seine Flächen kennen, nur wenn ich die kenne, nehme ich Veränderungen wahr oder auch Störungen wie eine hohe Tide zur Brutzeit.“ Um Veränderungen in seinem Terrain wahrzunehmen, kartiert André die Vögel auch: „Wo sitzen Rotschenkel? Wo sitzen Uferschnepfen? 50 bis 60 Prozent der Vogelarten haben das Problem, Flächen zu finden, wo sie brüten können. Auch Vogelzug ist ein Riesenproblem, es gibt viel illegalen Vogelfang. Länder wie Ägypten, Malta aber auch Frankreich stellen Netze und fangen Vögel, um sie zu essen oder zu sagen, ich hab’ einen tollen Vogel gefangen. Da gehen Millionen Vögel hops und wir geben hier Millionen für den Schutz für Vögeln aus, die dann bei denen im Netz landen!“

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MEHR INFOS RUND UM DAS THEMA NATIONALPARK WATTENMEER FINDET IHR HIER:

NATIONALPARK WATTENMEER

Nationalpark-haus im Wangerland

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Umso wichtiger ist es, dass es Ranger wie André gibt, die letztlich Lebensretter und Tierschützer in einem sind. Eine schönere Arbeit als die im Nationalpark kann sich André nicht vorstellen: „Meine Arbeit kommt mir gar nicht wie Arbeit vor. Und das ist eigentlich unbezahlbar“. Das heißt, er hält fest, wo welche Vögel auftauchen, leben und brüten: „Das ist schon eine sehr komplexe Aufgabe. Man muss dafür auch gut hören können. Man muss lernen, sich wieder zu konzentrieren und dem Ganzen mehr Aufmerksamkeit schenken.“ Das macht er übrigens auch in seiner Freizeit. Wenn er nicht gerade in seinem Garten arbeitet, ist André unterwegs, um Vögel zu beobachten. Und gerät bei seinen Streifzügen durchs Wattenmeer immer wieder ins Staunen: .“Das hier ist wirklich einmalig, aber es ist einem eben nicht klar, weil wir es ja vor der Haustür haben, aber das hier ist eine wichtige Landschaft, auch weltweit gesehen.“

 
 
 

Vor seiner Zeit im Wangerland war André Kramer für einige Jahre auf der Insel Borkum, das war auch sehr schön. Aber sein Zuhause ist jetzt hier, weil er sich hier so wohlfühlt. Das verstehen wir. Und die Zukunft? „Ich wüsste nicht, was mich hier wegbringen könnte“, sagt André und dann ist erst mal Stille. Irgendwo hört er jetzt ein Blaukehlchen singen. Großartig! 

 

Ein klein bisschen neidisch sind wir dann schon, als wir uns verabschieden und den Nationalpark Wattenmeer hinter uns lassen müssen. Wir können inzwischen nur allzu gut nachvollziehen, woher Andrés Leidenschaft für diesen besonderen Landstrich kommt: „Mal ist es das Licht, das eine Salzwiese besonders schön aussehen lässt. Mal ist es eine seltene Vogelart, die man sieht. Es sind so kleine Erlebnisse in der Natur, die mich so begeistern. Wasser ist Leben, da passiert was.“ Wie wahr, André, wie wahr!

 

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Text: Sylke Sdunzig  /  Foto: Tom Tautz  /  Videointerview: Dorian-Vasco Nagel

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PROFICAMPER

WILLI RETZLAFF

Ein Proficamper in Schillig - und ein Rentier
Eine Tasse Bier mit den Menschen hier oben zu trinken, das ist Leben!

 

Wilhelm Retzlaff, geboren in Ostfriesland, kann eigentlich alles. Ganz besonders gut allerdings kann er über das Leben philosophieren und fantastische Geschichten von seinem Dasein als Proficamper in Schillig erzählen. Willi ist dabei eine Erscheinung: Er hat gepflegte, längere weiße Haare, trägt Bart und überall Tattoos sowie Armbänder irischer Herkunft und eine tiefe Bräune. Er sieht aus wie einer, der unablässig Spaß am Leben hat und vor Lebensfreude platzt. Das Beste daran: Er ist tatsächlich so!

 
 
 
 

Es ist schon ein ungewöhnliches Zuhause, das wir bei unserem Besuch antreffen: Wilhelm Retzlaff, 70 Jahre alt, lebt seit 41 Jahren auf dem Campingplatz in Schillig im Wangerland an der Nordsee, einem der ältesten und größten Campingplätze in Deutschland. Willis trautes Heim, das ist ein Wohnwagen mit direktem Blick aufs Meer: „So langsam hat man sich vorgearbeitet. Wir sitzen jetzt mit der ersten Wohnwagen-Reihe direkt am Deich, da kann man wunderbar die Leute von hinten begucken und das Ratespiel machen ‚Wer gehört zu wessen Hintern’“, erzählt er und grinst. Ja, Willi fühlt sich hier sauwohl. Und schwärmt gleich von früher: „Da war man ja noch jünger und wir haben mit allen Campingwagenbesitzern viele Feste gefeiert. Da habe ich so einige tolle Menschen kennengelernt, aber leider sind auch einige schon gegangen.“ 

 
 
 

Der Soundtrack zur Geschichte von 3 Miles to Essex

 
 
 
 
 
 
 

41 Jahre sind ja auch eine lange Zeit. Ganz so sesshaft war Willi nicht immer, im Gegenteil. Bevor er im Wangerland gestrandet ist, war er ein richtiger Seebär: Mit noch nicht mal 15 Jahren ist er zum ersten Mal zur See gefahren und wartete auf sein erstes Schiff: „Ein Kübel übelster Sorte. MS Friesland - ich glaube, es stand irgendwo ein Schild auf dem Schiff mit dem Spruch ‚Wer hier einkehret, lasse alle Hoffnungen fahren!’“ Mit diesem Schiff fuhr der junge Abenteurer nach England - und war acht Monate seekrank. Trotzdem hat er 1964 in Travemünde seine Matrosenprüfung gemacht, nachdem er auf der Knotenakademie in der Mosesfabrik der Seemännischen Berufsfachschule in Elsfleth gelernt hatte, was ein Schiff ist. „Danach bin ich in alle Herrenländer über die Weltmeere gefahren. Auf Tankern, Fischereifahrzeugen und Frachtschiffen. Ein Passagier-Schiff war auch dabei, da habe ich rosarot gefärbte amerikanische Witwen durch die Gegend geschaukelt. Es war so was von furchtbar.“ 

 

Videointerview

 
 
 

Und so hat Willi nach drei Monaten wieder die Biege gemacht und sich überraschend bei der Seefahrtschule angemeldet. Denn: „Arbeiten ist ja nett, aber mit den Händen arbeiten, das gibt abgebrochene Fingernägel!“ Mit 21 drückte Willi in Lübeck an der staatlichen Seefahrtschule im alten Kaiserturm nochmal die Schulbank, um Nautik zu studieren. Jahre später, mit 27, wurde er Marinesoldat und war zum Schluss in Sengwarden stationiert. Es war ein Obermaat, der hier mit seinen Eltern einen Wohnwagen hatte, und Willi fragte, ob er nicht mal mitkommen wolle. Willi wollte. Und kaufte sich Monate später seinen eigenen Wohnwagen, um auf dem Campingplatz sesshaft zu werden. Aus gutem Grund: „Wo habe ich eine solche Luft? Ich war letztens erst an der Ostsee, da ist es ist schön, aber anders. Hier fühle ich mich freier; die Luft ist für mich bekömmlicher. Ich mag es, wenn ich oben auf dem Deich so ganz alleine dastehe und meine Gedanken in die Ferne schweifen. Viele fragen mich immer wieder, warum denn Wohnwagen? Ganz einfach: In einem Hotel bin ich zu Gast. Hier in meinem Wohnwagen bin ich zuhause.“ Sechs Monate im Jahr wohnt Willi in Schillig auf dem Campingplatz. Im Winter lebt er in Hoya an der Weser und für Willi ‚Stadt am Meer, Tor zur Welt, Brücke nach Übersee’. Denn diese Sehnsucht nach der Ferne, die ist noch da: „Ich bin begeisterter Irlandfan und bin die letzten zwei Jahre immer hingeflogen. Dort, in meinem Lieblingsort Lisdoonvarna an der Westküste, habe ich letztes Jahr auch meinen 70igsten Geburtstag gefeiert.“

 
 

Die Küste hat es Willi angetan und so schließt sich der Kreis mit dem Leben im Wangerland wieder. „Ich liebe dieses Rentier-Sein. Ich habe hier ein freies Leben, da kannst du mich nur noch mit kaltem Kaffee und warmem Bier vergraulen“, lacht Willi. Dazu besteht freilich keine Sorge, denn die wunderbaren Mitarbeiter des Campingplatzes tun alles dafür, dass die Camper glücklich sind. Und trotzdem gibt es Leute, die meckern. So was macht Willi fuchsteufelswild: „Die gehen mir richtig auf den Sack! Wenn hier nach 22 Uhr die jungen Leute mal einen über den Durst trinken und es etwas lauter wird, stehen die Alten gleich da und schimpfen wie die Rohrspechte rum, man könnte nicht schlafen. Ich sach’ dann immer, dann müsst ihr auf dem Friedhof campen, da ist Ruhe. Wenn ich denke, ich kann nicht schlafen, weil es irgendwo zu laut ist, dann gehe ich hin und sage: „Ihr habt scheißlaute Musik an, ich kann nicht schlafen - habt ihr ein Bier für mich? Und dann trink ich denen alles weg und mein Abend ist gerettet!“ 

 
 

Ja, meckern ist Willis Sache nicht. Warum auch, gibt für ihn ja keinen Grund, selbst dann nicht, wenn es in Strömen regnet: „Bei Schietwetter ist es für mich das Schönste nach dem Aufstehen, man guckt in die Zeitung und genießt sein Frühstück, guckt über den Deich, sinniert so ein bisschen vor sich hin und sacht ‚Menschenskinder noch mal, wat ist das Leben schön’ und schnappt sich ein Buch.“ Und wenn es tagelang schifft? Für Willi ist das auch kein Grund, Trübsal zu blasen. Stattdessen verrät er uns sein Gute-Laune-Geheimnis: Man nimmt ein „24-Röhrengerät“, also eine Kiste Bier, und schaut im Kühlschrank, ob noch ein „Absturzbeschleuniger“ drin ist. Und dann erzählt man sich Geschichten. „Es sind seit 40 Jahren dieselben Geschichten, aber die klingen jedes Mal anders. Wir lügen nicht, aber wir sagen tüchtig die Unwahrheit. Denn jeder erzählt die Geschichte, die er mal gehört hat, immer wieder so, als hätte er sie selbst erlebt. Demnach müssten einige noch mit Columbus hier vorbei gesegelt sein. Das ist das Interessante hier in Schillig und das Besondere an unserem Camper-Leben!“ 

 

 
 

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CAMPING IM WANGERLAND

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Alles klar, wir haben verstanden. Und danke, Willi, dass wir in dein Herz schauen durften! Danke, dass du uns Camping aus einer neuen, faszinierenden Perspektive gezeigt hast. Fakt ist: Willi glaubt an das, was er fühlt und sagt. Besuchen Sie ihn doch mal auf dem Campingplatz in seinem Wohnwagen. Und erleben Sie ihn selbst. Das ist unbezahlbar! Es schadet übrigens nicht, wenn Sie ein 24-Röhrengerät im Gepäck haben..

 

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Text: Sylke Sdunzig  /  Foto: Tom Tautz  /  Videointerview: Dorian-Vasco Nagel

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TIDENTYP

NIKO GORETZKI

Angekommen im Surfer-Paradies Hooksiel

 

Der starke Wind pfeift Niko und seinen Schülern auf der Nordsee um die Ohren. Kiten ist für Niko kein romantisches Dahingleiten, sondern er und sein Team haben sich mit Herz und Seele dem Wassersport verschrieben. Wir haben den smarten Sportler und Unternehmer auf dem Festland am Strand von Hooksiel erwischt.

 
 

Teaser

 
 

Wir sind fasziniert vom Anblick der Menschen, die hier übers Wasser gleiten, als gäbe es kein Morgen. Niko Goretzki geboren in Essen, im Ruhrgebiet, verbrachte hier oben an der Küste mit seinen Eltern und Großeltern von klein an die Ferien; das erste Mal mit drei Jahren. Schon früh entdeckte er seine Begeisterung fürs Windsurfen – die kalte, raue Nordsee hin oder her. „Für einen Windsurfer war das hier das Epizentrum, ein Paradies“, erinnert er sich. „Durch den Surfsport bekam der Sielort Hooksiel für mich eine ganz neue Anziehungskraft. Die Region hat mich damals richtig gefesselt, und so habe ich jeden Tag meiner Ferien hier verbracht.“

 
 
 

Der Soundtrack zur Geschichte von 3 Miles to Essex
(aufgenommen in der Kirche am Meer @ Schillig)

 
 
 
 
 
 
 

Die früh erkannte Leidenschaft hat der smarte Surfer, mit den strahlenden Augen und einer unglaublichen Aura zum Beruf gemacht. Und das mit Erfolg: Seine Nordsee Academy ist seit über 15 Jahren die Surfschule an der Nordsee. An den Standorten in Hooksiel und Schillig im Wangerland an der Nordsee vermittelt das junge Team um Niko Goretzki die Faszination von Windsurfen, Kitesurfen, Landboarding und Stand-Up-Paddling. Alles fing damit an, dass Nikos Eltern ein Haus in Hooksiel gekauft haben. Niko, der heute 30 ist, ist damals gleich aufs Board gestiegen. Und so hat er heute, 20 Jahre später, die Erfahrung, die es braucht, wenn man eine erfolgreiche Surfschule betreiben will. Davon mal abgesehen: „Ich bin zumindest noch der beste Windsurfer in unserem Team“, sagt er und grinst, natürlich ohne jede Arroganz.

 

Videointerview

 
 
 

„2004 habe ich das erste Mal in Hooksiel angefangen zu kiten. Hooksiel ist ja eine der Brutstätten des Kitesurfens in Deutschland; seit ich hier bin, waren auch immer schon Kiter da. Damals schon war das Niveau sehr hoch, weil die Region hier oben perfekt dafür ist, gerade auch die Kombination mit der Wasserskianlage in Hooksiel war optimal.“ Natürlich gibt es mittlerweile größere Spots in Deutschland wie die Insel Fehmarn. „Aber wir haben hier oben den großen Vorteil, dass wir mit den Standorten Hooksiel und Schillig/Horumersiel eine tolle Qualität an Spots haben, die sich super ergänzen. Es gibt kaum einen anderen Spot an der Nordsee außer Schillig, der einen Nord-Süd-Verlauf hat. Und dadurch kann man zum Beispiel Windrichtungen abdecken, die man sonst an der westlichen ostfriesischen Küste nirgendwo bedienen kann“, erklärt uns Niko fachmännisch. „Und das ist unser großes Glück, dass wir beide Standorte benützen können. Wenn es in Hooksiel ablandig ist, gehen wir einfach nach Schillig.“ So einfach ist das und so - perfekt.

 

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hier gibt's alle INFOS ZUM surfen und kiten in hooksiel und schillig

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Niko weiß, wovon er spricht und worauf es beim Surfen ankommt, immerhin macht er seit Jahrzehnten nichts Anderes, also fast. „Es gab diesen Surf-Shop in WHV, der einen Wettbewerb im Windsurfen ausgerichtet hat, den ich habe gewonnen habe. Und der erste Preis war ein Kitekurs. Ich bin damals nicht gerade vor Freude in die Luft gesprungen, da sich die Surfer- und Kiter-Szene damals nicht ganz so grün waren.“ Aber einem geschenkten Gaul... Im Jahr drauf hat Niko dann den Kurs gemacht - und konnte bereits am ersten Tag kiten. Ein Naturtalent! Als er ein Jahr später wieder kam, durfte er direkt als Kite-Lehrer mit einspringen. „Danach lief das Kiten eher nebenbei, Windsurfen war schließlich meine Hauptsportart. Und zu der Zeit war ich in der Disziplin Freestyle wahrscheinlich unter den zehn besten Windsurfern Deutschlands“, erzählt uns Niko, als wäre es die normalste Sache der Welt. 

 
 

Hooksiel ist längst Nikos zweite Heimat geworden - nicht nur als Sportler, sondern auch als Unternehmer. Dabei hatte das schlaue Köpfchen ursprünglich ganz andere Pläne: „Erst habe ich BWL in Kiel und Hamburg studiert." – auch, dass er sein Studium mit 1,0 abgeschlossen hat gehört zu seiner Geschichte). "Aber ich habe während meines Studiums immer versucht, den Sport so semiprofessionell wie möglich weiter zu führen und habe meine Semesterferien immer dort verbracht, wo Wind war. Orte wie Venezuela, Südafrika und so. Und immer, wenn die Zeit es zuließ, war ich hier in Hooksiel und habe als Windsurflehrer gearbeitet und schließlich auch die Kitesurf-Ausbildung gemacht.“

 
 

In seiner Surfschule, der Nordsee Academy, kann er jetzt BWL-Studium und Surf-Leidenschaft perfekt verbinden. Gelernt ist gelernt: „Die Windsurfschule gibt es ja schon etwas länger, seit 17 Jahren. Und seit ich 13 bin, war ich mit dabei.“ Mit dem früheren Besitzer, der auch aus dem Ruhrgebiet stammt, hat sich Niko angefreundet und jahrelang zusammengearbeitet, bis er mit Anfang 20 die operative Leitung übernommen hat. Die Schule lief wie geschmiert: „Wir hatten mehrere Standorte und eine gute Größe, dass man davon hätte locker leben können.“ Aber Niko hatte auch noch diesen anderen Ehrgeiz - die akademische Karriere: „Ich habe ein Jahr lang promoviert, und das erste Teilprojekt meiner Dissertation wird auch gerade in einem amerikanischen Journal veröffentlicht. Aber ich habe einfach gemerkt, dass mich die Arbeit am Schreibtisch nicht ausfüllt und ich mich voll und ganz auf mein Unternehmen hier oben konzentrieren möchte. “ Zum Glück, denken wir uns insgeheim. 

 
 

Auch wenn sein Alltag hier oben zwangsläufig aus viel Routine und Arbeit am Computer besteht: Einer wie Niko, der so viele Talente hat, steht nicht still. So überlegt er sich mit seinem Team neben den täglichen Kursen immer wieder neue Events: „Zum Beispiel, dass wir hier oben das zweite Mal ein großes Kite-Event organisieren, die „Schillig Beach Days“. Ja, Abwechslung muss sein für einen wie Niko, der immer ein bisschen mehr will: „Es geht nicht nur darum, dass die Leute bei uns kiten lernen. Sondern wir wollen auch möglich machen, dass Hunderte von Menschen bei uns ein gutes Wochenende haben, mit Livemusik und den ganzen Herstellern, die sich hier präsentieren.“ 

 
 

Wenn man mit Niko spricht, dann weiß man: Da ist noch viel Luft nach oben, zumal das Kitesurfen boomt: „Gerade auch hier im Wangerland, davon bin ich ganz fest überzeugt, wird das Kitesurfen ein ganz wichtiger Bestandteil bleiben. Wir haben extrem viele Partnerschaften und arbeiten mit mehreren Universitäten zusammen. Auch das Thema Kitesurfen für Jugendliche wird immer interessanter.“

Und wo ginge es so gut wie hier im Wangerland, unter Nikos fachmännischer Ägide? Eben!  Er könnte überall leben, aber hat sich für das Wangerland entschieden. Was für eine Liebeserklärung an diese Region! Danke, Niko. Auch dafür, dich auf dem Wasser kiten zu sehen ...

 

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Text: Sylke Sdunzig  /  Foto: Tom Tautz  /  Videointerview: Dorian-Vasco Nagel

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NORDSEE-LIEBE

ANJA SEIDL-VOGT

Nordseerauschen und ganz viel Liebe in der Luft

 

Hooksiel im Wangerland an der Nordsee ist bekannt für seinen traumhaft schönen, weißen Sandstrand; seit Jahrzehnten ist es der Hotspot für Surfer, Kiter und Wasserski-Fans. Wir sind auf dem Weg zu den Skiterrassen Hooksiel und haben eine klare Mission: Wir wollen herausfinden, was eine große Nordsee-Liebe mit Strandhochzeiten und einer Wasserskianlage zu tun hat.

 
 
 
 

Anja Seidl-Vogt lebt zunächst in München; sie ist alleinerziehend mit drei kleinen Kindern, hat eine sehr schöne Wohnung, einen guten Job und ein perfektes soziales Umfeld. Rote lange Haare hat sie; hübsch, fröhlich und sehr offen trifft sie vor 13 Jahren bei einer Geschäftsreise in Hamburg auf Hans-Ott Vogt. „Ich habe Hansi in der Sauna kennengelernt, wo wir ins Gespräch gekommen sind. Wir haben uns auf Anhieb verstanden, ich war hin und weg. Er erzählte mir, dass er gerade überlegt, ob er das Familienunternehmen in Hooksiel übernehmen und weiterführen soll oder eben nicht. Ich hatte keine Ahnung, was ein Wasserskilift ist und wie das eigentlich alles funktioniert, aber ich fand den Typen einfach nett. Wir hatten einen schönen Abend zusammen und als wir unsere Kontakte ausgetauscht haben, stellten wir fest, dass uns knapp tausend Kilometer trennen“, erzählt uns Anja.

 

Ein bayerisches Sprichwort sagt: "Nichts glüht so heiß, wie die Liebe zwischen Bayer und Preiß" (Preiß = Norddeutscher).

 
 

Der Soundtrack zur Geschichte von 3 Miles to Essex

 
 
 
 
 
 
 

„Ein halbes Jahr später kam Hansi aus dem Skiurlaub auf dem Rückweg bei mir in München vorbei. Wieder hatten wir eine total schöne Zeit, und zwei Wochen später hat er mich eingeladen, einfach mal an die Nordsee nach Hooksiel zu kommen. Er stand kurz vor der Neueröffnung der Wasserskianlage und wollte mir alles zeigen“, erzählt Anja weiter. Seit zwölf Jahren lebt die gebürtige Münchnerin nun im Wangerland an der Nordsee. „Das war der Beginn einer riesengroßen Liebe, als ich das erste Mal hier oben an der Nordsee war, war ich völlig geflasht, richtig verzaubert. Ich war sofort ins Wangerland verliebt! Nicht nur in die Gegend, sondern auch in den Mann,“ sagt die 45-Jährige in einem Bayerisch, als wäre sie nie weggewesen.

 

Videointerview

 
 
 

Und wo ist dann Heimat? „Ich bin in München geboren, das ist meine Stadt. Ich liebe sie über alles; mein Leben dort war perfekt. Aber alles das ersetzt nicht die ganz große Liebe, die ich gefühlt habe, als ich Hans-Ott das erste Mal gesehen habe. Anfangs bin ich jedes zweite Wochenende ins Wangerland gefahren und habe ein bisschen mitgeholfen und gemerkt, dass Hansi Unterstützung gebrauchen kann. Alle 14 Tage war ich mittendrin und irgendwann kam der Gedanke auf, wie es weitergeht. Eine Fernbeziehung über Jahre kam für uns nicht in Frage. Und die Kinder mussten alle in weiterführenden Schulen. Und so haben wir kurzerhand beschlossen, hier oben gemeinsam neu zu starten. Ich habe meinen Job und meine Wohnung gekündigt und bin mit meinen drei Kindern im Gepäck hier hoch gezogen. Vor zwei Jahren haben wir dann auch geheiratet“, erzählt uns Anja mit strahlenden Augen.

 
 

Stichwort Heirat: Anja und Hans führen nicht nur ein beliebtes Familienunternehmen, sondern richten längst auch Strandhochzeiten und Feierlichkeiten aus. Sie leben und arbeiten zusammen. Geht das immer gut? „Ja, denn wir haben seit Beginn unserer Beziehung sehr eng zusammen gearbeitet, selbst an den Wochenenden, an denen ich anfangs nur zu Besuch hier war. Allerdings ist es heute so, dass die Kinder groß sind und ihre eigenen Wege gehen. Jetzt ist so langsam die Zeit gekommen, dass wir mehr Zeit zu Zweit verbringen können und das genießen wir gerade sehr“, verrät uns Anja.

 
 

Was gibt es schöneres, als eine romantische Trauung in einem weißen Pavillon direkt am Sandstrand von Hooksiel - Meeresrauschen inklusive - zu erleben? Wer an einem Strand im Wangerland an der Nordsee heiratet, braucht vor der wunderschönen Kulisse nicht wirklich viel, um glücklich zu sein. Da zählt eine frische Brise, Meerluft im Haar und ein glückliches Funkeln in den Augen. Und wenn man eine Anja Seidl-Vogt in der Nähe hat, die sich um alles kümmert, dann wird es eine Traumhochzeit, versprochen! „Wir geben wirklich alles, damit sich unsere Brautpaare wohlfühlen und schmücken den Pavillon sehr stilvoll, romantisch und es wirkt fast schon unecht, so malerisch ist die Hochzeitskulisse am Strand von Hooksiel“, schwärmt Anja. An einem Strand zu heiraten ist etwas ganz Besonderes, aber an einer Wasserskianlage zu feiern, das ist - in diesem Fall - traumhaft schön. Hochzeiten auszurichten ist Anjas Steckenpferd - diesen Zweig hat sie mit ins Unternehmen gebracht. „Eines Tages, als wir unseren neuen Wintergarten fertiggestellt hatten, habe ich diesen schön dekoriert. Ich liebe das, denn die anderen sollen sich wohlfühlen. Tagesgäste kamen vorbei und fragten: Wow, tolle Location, kann man hier auch heiraten?’ Damit fing alles an. Dieses Fieber, das ein Brautpaar in sich hat und die Aufregung während der Vorbereitungszeit, das ist ansteckend und macht die Arbeit so erfüllend. Vor allem, wenn das Brautpaar und die Gäste happy sind und mit einem riesigen Dankeschön abreisen. Das ist das schönste Gefühl, das man im Job nicht selbstverständlich bekommt“, sagt Anja. 

 
 

Ist das vielleicht auch das Geheimrezept für die eigene große Liebe? „Das was uns zusammenhält, ist unser „Baby“ und das ist unser gemeinsames Ziel, aus unserem Unternehmen das Beste zu machen. Wir leben unseren gemeinsamen Traum. Hansi und ich arbeiten beide daran, dass Brautpaare einen wunderschönen Tag bei uns haben. Aber wir tun auch viel dafür dass unser Team glücklich ist. All das schweißt zusammen. Wir gehen abends nicht nach Hause und schalten ab. Es ist nicht nur unser Job - es ist unser Leben und wir lieben was wir tun“, erzählt uns Anja weiter.

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hier geht's zu den INFOS ZUM HEIRATEN AM STRAND und den hooksieler skiterassen 

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Für die Zukunft haben die beiden natürlich noch tausend Pläne - sie wollen viel bewegen im Wangerland. Der Standort könnte dafür nicht besser sein; und auch für das Wangerland ist dieses Unternehmen touristisch von großer Bedeutung. Für Anja, die der Liebe wegen aus München nach Hooksiel zog, ist die Natur hier oben ein Gedicht, ein wahres Paradies. Wenn sie und Hans-Ott morgens zur Arbeit fahren, denken sie: „Hier darfst du leben - was für ein Privileg!“. Und wir erkennen, welche Schönheit in der Leidenschaft liegt, die sich entfaltet, wenn man das tun kann, was man liebt.

 

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Text: Sylke Sdunzig  /  Foto: Tom Tautz  /  Videointerview: Dorian-Vasco Nagel

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Wattkerl

ARNO ECKHOFF

Watt für ein richtig cooler Typ!

 

Nur wenige Autominuten vom Wangerland an der Nordsee entfernt liegt Ostiem, ein Stadtteil von Schortens im wunderschönen Friesland. In dem kleinen Örtchen mit seinen Idyllischen Bauernhäusern, umringt von purer Natur, lebt Arno Eckhoff mit seinen zwei Söhnen auf einem Resthof. Hier empfängt uns der 58-jährige, der allerdings eher aussieht wie Ende 40, in seiner blitzblanken Küche und macht uns erst einmal einen Ostfriesentee.

 
 
 
 

Arno liebt die Ruhe und ganz besonders die Natur und lebt inzwischen lieber hier. Und das, obwohl er als gebürtiger Dortmunder die raue Gegend der Zechen, den Menschenschlag und den Trubel durchaus schätzt. „Ein Weg zurück nach Dortmund kommt für mich nicht mehr in Frage, auch wenn ich gerne dort bin“, erzählt uns Arno während er den Kandis in die Teetassen legt. Als wir uns umschauen, sehen wir um die hundert Kaffeetassen an Wandhaken hängen. Auf den meisten prangen Flaggen und Logos von fremden Ländern sowie Embleme von Marineschiffen. „Alles Erinnerungen und Souvenirs. Die habe ich in den letzten 30 Jahren alle gesammelt, als ich als Soldat bei der Marine auf See unterwegs war“, sagt Arno. 

 
 
 

Der Soundtrack zur Geschichte von 3 Miles to Essex
(aufgenommen in der Kirche am Meer @ Schillig)

 
 
 
 
 
 
 

Die ersten zwei Jahre seiner Bundeswehrzeit hat er in Flensburg beim Fliegerhorst verbracht. So richtig glücklich war er damit nicht und dachte sich: „Seefahrt ist besser, als am Flugzeug herumzuschrauben.“ Er ließ sich nach Wilhelmshaven an die Nordsee versetzen und fuhr auf den Fregatten dieser Welt zur See. „Diese Zeit habe ich geliebt, weil mich die Seefahrt zu dem gemacht hat, der ich heute bin. Später hat mich die Liebe dazu gebracht, hier oben im Norden sesshaft zu werden. Die Beziehung hat zwar nicht gehalten, aber die Liebe zu dieser Region ist nach wie vor ungebrochen“, erzählt uns Arno weiter.

 

Videointerview

 
 
 

„Früher als ich Obermaat war, waren wir oft mit mehr als vier Jungs auf einer Kammer. Eng und zeitlich eingesperrt. Man brauchte schon eine große Portion soziales Engagement und musste auf die anderen Rücksicht nehmen. Hin und wieder wurde der eine oder andere Kamerad auch erzogen. Vielleicht wurde ich auch erzogen, aber das habe ich dann nicht mitbekommen. Durch Sport ließ sich vieles ausgleichen“, lacht Arno. Er ist ein aufgeräumter Typ, Marinesoldat eben. Sehr relaxt und organisiert. Als wir durch sein Haus gehen, wird schnell klar, dass er sich seine Vergangenheit ebenfalls bewahrt hat. Es gibt wirklich viele skurrile Dinge in seinem Heim, etwa Computer aus den 80er Jahren (die immer noch voll funktionstüchtig sind), Relikte aus der Marinezeit, die wir so noch nicht gesehen haben und uns an den Film „Zurück in die Zukunft“ erinnern.

 
 

Das Meer, seine Bewohner oder besser gesagt, das Wattenmeer und seine Wattbewohner, prägten Arno bereits damals. Und so ist er heute im Wangerland als Wattführer unterwegs. Aber wie wird man als Seemann, der ja in der Regel auf dem Wasser mit einem Schiff unterwegs ist, Wattführer auf dem Meeresgrund im Wangerland an der Nordsee? „Ich war 1989 bis Anfang 90er auf der Fregatte Augsburg stationiert. In Augsburg hatten wir eine Patenschaft mit einem Kinderheim; jedes Jahr kam eine Gruppe nach Wilhelmshaven zum Zelten. Wir haben die Kinder betreut mit viel Programm; einer der Programmpunkte war immer wattwandern. Ich hatte richtig Spaß daran und habe dann öfter auch mal mit Freunden an geführten Wattwanderungen teilgenommen. Irgendwann dachte ich, weil mir das so gut gefallen hat, das kannst du ja auch selbst! Und so habe mich informiert, wie man stattlich geprüfter Wattführer wird. In der Zeitung gab es eines Tages einen sehr interessanten Artikel von Holger Prüter, einen ehemaligen Wattführer im Wangerland. Daraufhin habe ich ihn einfach angerufen und ihm gesagt, dass ich Interesse habe. Und so bin ich nach meiner Prüfung in die Wattführergruppe Wangerland reingerutscht. Das war im Jahr 2007“, erzählt uns Arno.

 
 

Wir können uns vorstellen, dass man am Wasser besser denken kann. Dasselbe gilt auch, wenn das Wasser nicht da ist, wenn man sich am oder im Wattenmeer befindet. Was wir gerade denken, verraten wir lieber nicht. Jedenfalls stehen wir nun mit Arno in Schillig am Strand, und das Wasser ist weg. Ebbe. Ab ins Watt, heißt es jetzt für uns, obwohl es gerade noch geregnet und sogar gehagelt hat, als würde die Welt untergehen und wir eigentlich lieber einen heißen Kakao im schönen Strandcafé trinken würden. Aber der Gedanke ist gleich wieder verschwunden, denn plötzlich reißt der Himmel am Horizont schon wieder auf. Es wird sogar richtig warm. „Das ist normal hier oben an der Küste. Ich mache zwei bis drei Wattwanderungen pro Woche. Mal ist das Wetter schön, mal regnet es. Völlig egal, denn ich bringe den Menschen das Watt näher, die Natur und die Vielfältigkeit von Ebbe und Flut. Da wird das Wetter zur Nebensache“, erklärt uns Arno.

Wenn er im Wattenmeer unterwegs ist, ist er glücklich.

 

Da ist es wieder: Dieses Licht, das es nur am Meer gibt. Klare Luft, weiter Himmel, mal mit, mal ohne Wolken. Das Watt hat viele Facetten, ist leise und doch matschig, geheimnisvoll, ein wenig unheimlich und natürlich ein faszinierender Lebensraum für viele Tiere. Wir geben zu, nach ein paar Metern macht uns seine Art, „sein“ Wattenmeer näher zu bringen nicht nur Spaß, sondern wir sind stolz, ein so wunderbares Naturerlebnis erleben zu dürfen. Wer kann schon behaupten, mehrere Meter mit humorvoller, fachkundiger Führung über den Meeresboden gelaufen zu sein?

 

 
 

Arno führt Gruppen und meistens auch Schulklassen durch das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer. „Schulklassen sind meine besonderen Lieblinge“, lacht Arno. „Es gibt in jeder Klasse einen ganz Coolen und einen Klassenclown. Der Coole mit den tollsten Sprüchen wird im Watt meistens so klein mit Hut, dass er die ganze Tour über am Rockzipfel seiner Lehrerin hängt. Der Klassenclown hört zwar zu, was ich sage, bleibt aber meistens nach zehn Metern schon im Schlick stecken und jammert. Ich darf ihn dann rausziehen. Danach ist der dann auch ganz kleinlaut. Deswegen gehe ich immer barfuß ins Watt. Nicht nur, weil ich Schüler aus dem Schlick ziehen muss, sondern weil es nichts Schöneres gibt, wenn der Schlick durch die Zehen hoch kommt“, schwärmt Arno weiter. Wir können dem nur zustimmen: Barfuß mit hochgekrempelter Hose fühlen wir uns am wohlsten. 

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Wer Arno einmal persönlich kennenlernen möchte, kann dies abends am 07. August in Schillig tun.

In Kooperation mit „Die Nordsee GmbH“ wandert Arno für Einheimische und Urlauber über den Meeresboden. Wir versprechen: es wird faszinierend aufregend!

Gefördert wird diese Aktion übrigens von der Europäischen Union im Rahmen des INTERREG-Programms.

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Nach 30 Jahren als Soldat bei der Marine ist bei Arno noch lange kein Ruhestand in Sicht. Arno hat im stattdessen Hummeln im Hintern. Er führt nicht nur mehrmals die Woche Menschen durchs Watt, sondern ist auch Sportwart; er gehört zum Geschäftsführenden Vorstand beim TuS Oestringen, einem Sportverein in Schortens. „Wer rastet, der rostet. Ich bin Vater von zwei Söhnen, der eine geht noch zur Schule und der andere studiert in Hamburg. Ich bin immer in Bewegung. Im Sportverein organisiere ich nicht nur alles Mögliche, ich spiele auch mit einer Männergruppe Fußball und Hockey und gehe zwei- bis dreimal die Woche zwischen zehn und zwölf Kilometer laufen. Als Hobbyläufer nehme ich gerne an Stadtläufen teil und jogge auch sehr gerne mit meiner Freundin in der Natur oder an der Küste entlang“, erzählt uns Arno. 

 
 

„Im Wangerland an der Nordsee ist man eben nie weit weg vom Meer“, sagt Arno. Kein Wunder, dass ihn die Urlauber öfter darum beneiden, auf dem Meeresboden herum spazieren zu dürfen. Aber Arno geht es um weit mehr: Ihm ist es gelungen, den Menschen das Wunder Wattenmeer auf eine besondere Art näher zu bringen. Ihm ist es wichtig, dass Menschen, die mit ihm ins Watt gehen, dieses kostbare Gut bewahren. Er selbst tut etwas dafür, ohne nachzudenken - indem er sein Wissen weitergibt. Für ihn die selbstverständlichste Sache der Welt. Arno ist eben ein echter Wattkerl, mit dem man unbedingt mal ein paar Meter über den Meeresboden gewandert sein sollte.

 

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Text: Sylke Sdunzig  /  Foto: Tom Tautz  /  Videointerview: Stefan Sobotta

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Multiplayer

Fabian Thomas

Vom Glück, im Zickzack durchs Leben zu gehen

 

Impulsive Entscheidungen sind die besten. Wir als Kreative können ein Lied davon singen, sonst würde es „Luv & Lü“ nicht geben. Und spontan gelebtes Leben kann zu visionären Erfahrungen führen. Warum Fabian Thomas des Öfteren im Leben nach rechts abbiegt, anstatt nach links wie ursprünglich geplant - das erzählen wir jetzt. 

 
 

Wir treffen Fabian, den smarten Typen von Mitte zwanzig, auf einem malerischen Resthof im Wangerland an der Nordsee. Als wir mit ihm sprechen, merken wir schnell, dass Fabian jobtechnisch auf der Überholspur lebt. Er ist Organist, also Musiker, außerdem eine Art Musiktherapeut. Und er ist Vater auf Entfernung, arbeitet als Restaurantfachmann in der Gastronomie, betreut Ferienwohnungen und Feriengäste. Obendrein ist er Grafiker und Fotograf. Das reicht eigentlich für drei Leben. Aber fangen wir von vorne an.

 
 
 
 

Aufgewachsen in Nordrhein-Westfalen jobbte er bereits seit seiner Jugend in der Gastronomie. Die Liebe zu diesem Beruf kam durch seine Mutter, die auf einer Beauty-Farm arbeitete. Jeden Tag nach der Schule fuhr er zur ihr, um auszuhelfen. Für alle in der Familie war klar: Das macht Fabian irgendwann hauptberuflich. Fabian hat sich jung gebunden und wurde früh Vater. Eines Tages fing seine heile, kleine Welt an zu wackeln, und er entschloss sich einen Neuanfang zu starten. Sein Ziel: die Nordseeküste. Fabian folgte einem Bauchgefühl und landete in Wilhelmshaven, wo er für drei Monate in einem Hotel arbeitete. „Ich habe schnell gemerkt, dass mir das mit der Gastronomie einfach keinen Spaß mehr macht, und es jetzt an der Zeit ist, auch in beruflicher Hinsicht einen Neuanfang zu wagen“, erzählt uns Fabian.

 
 
 

Der Soundtrack zur Geschichte von 3 Miles to Essex

 
 
 
 

UNTERWEGS ZU SEIN IST DOCH
IN ERSTER LINIE EIN GEISTIGER ZUSTAND, ODER?

 

Auf die Frage, warum er die Gastronomie an den Nagel hängen möchte, erzählt er uns: „Der Job ist oft anstrengend und undankbar, wenn man es von der einen Seite betrachtet. Die Bezahlung ist miserabel für die Stunden, die man leistet, der Stress dahinter, Freunde und Freundschaften kannst du total vergessen. Es gibt diese Gastronomen-Sprüche, dass man keine Freunde braucht, weil die Arbeitskollegen deine Familie sind. Man kann sich das Ganze auch schönreden und das tun, glaube ich, auch 90 % aller Gastronomen. Irgendwann kommst du an dem Punkt in deinem Leben, wo du aufhören solltest, dir alles schön zu reden. Dass es einfach wichtigere Dinge im Leben gibt, die einen glücklicher machen.“ 

 

Videointerview

 
 
 
 

Mit einer Menge Mut im Gepäck macht sich Fabian auf die Reise in ein neues Genre: Grafik- und Webdesign und Fotografie. Bloß nie wieder Gastronomie! Er plant seine Selbstständigkeit und trifft auf seinen jetzigen Arbeitgeber, der – Überraschung! - aus der Gastronomie kommt. „Er schrieb mich damals an, dass er Fotos für seine Ferienwohnungen benötigt. Man traf sich, war sich sofort sympathisch und kam ins Gespräch. Tja, was soll ich sagen. Das ist jetzt dreieinhalb Jahre her und seitdem arbeite ich in seinem italienischen Restaurant „Il Gabbiano“ in Horumersiel als Restaurantfachmann und Mädchen für alles. Ich bin der Grafiker, produziere die Fotos für die Ferienwohnungen und betreue die Gäste. Und bin da gelandet, wo ich eigentlich nicht mehr hin wollte - in der Gastronomie, aber das funktioniert alles so gut, als würde man seit 30 Jahren zusammen arbeiten. Das ist ein ganz großes Spektrum, was wir da betreuen. Und ich habe alle Freiheiten, die ich brauche“, erzählt uns Fabian mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht. 

 
 

"MAN MUSS OFFEN UND AUFGESCHLOSSEN SEIN."


Eines Tages, scheinbar kein Einzelfall in seiner Wahlheimat Horumersiel im Wangerland an der Nordsee, kamen die Menschen auf Fabian zu. „Es ist nicht so anonym wie in der Stadt. Jeder ist menschlich an einem interessiert. Man kommt ins Gespräch und wenn man den Einheimischen hier sympathisch ist, lassen sie einen nicht mehr los. Plötzlich hat man ein neues Zuhause, hat neue Herausforderungen und neue Bekanntschaften in seinem Leben. Man muss nur offen und aufgeschlossen sein.“ 

Auf seinen täglichen Weg zur Arbeit fährt Fabian immer an einer Aufsehen erregenden Kirche vorbei. Die „Kirche am Meer“ ist ein stolzer, souveräner Kirchenneubau, der sogar einen Architekturpreis gewonnen hat. Fabian hatte mit Kirche wenig am Hut, aber er ist ja Musiker und suchte noch nach einen Ort, wo er diese Leidenschaft ausleben konnte. Er dachte an einen Chor und landete an der Orgel. „Man hat mir einfach den Schlüssel der Orgel in die Hand gedrückt, und seit Februar 2016 spiele ich dort, so oft ich kann, die Orgel. Ich hatte überhaupt keine Ahnung von den Abläufen in einer Kirche, wie eine Messe aufgebaut ist oder was ich eigentlich tun muss. Mittlerweile weiß ich das größtenteils und habe mich da so reingefuchst“, verrät uns Fabian. Aber Fabian spielt nicht einfach nur Orgel und singt klassische Kirchenstücke. Fabian erfindet die Kirche neu! Er spielt auch Songs von Peter Maffay oder den Soundtrack von „Fluch der Karibik“.

 
 

Fabian ist einer dieser Typen, die immer rechts abbiegen. Er ist auf der Suche. Nach neuen Herausforderungen. Und nach sich selbst. Stehenbleiben kommt für ihn nicht in Frage, dafür lässt sein Tagesablauf auch keinen Raum. „Es gibt Tage, da arbeite ich von 8 Uhr bis 11.30 Uhr als Musiktherapeut in der Klinik, dann regulär von 12 Uhr bis 15 Uhr im Restaurant, von 15.30 Uhr bis 16.30 Uhr bin ich in der Kirche, um 17 Uhr bis abends im Restaurant und oft fahre ich dann noch einmal in die Kirche und spiele für mich zum Runterkommen an der Orgel.“ Auf die Frage, wann er mal Zeit für sich hat, sagt er: „Das ist die große Frage, eigentlich alle zwei Wochen an den Wochenenden, wenn ich zu meinem Sohn nach Nordrhein-Westfalen fahre. Ich schalte mein Handy ab und denke keine Sekunde an die Arbeit! Aber mir macht das alles sehr viel Spaß, sonst würde ich das nicht machen. Und Horumersiel mit seinen Menschen schenkt mir immer wieder das Gefühl, zuhause und ein Stück weit angekommen zu sein.

 

 

Als wir Fabian trafen, war uns übrigens nicht bewusst, wie modern, entspannt und beflügelnd Kirche sein kann. Ein Ort der Ruhe, der Besinnung und der Begegnung auf eine ganz neue und moderne Art. Klar, Fabian ist ein richtig guter Typ, und er hat sich für uns geöffnet und uns berührt. Wenn er an der Orgel spielt, ist er ganz bei sich. Er füllt diesen Raum mit einer Kunst, die man einfach lieben muss. Jeder, der im Wangerland lebt oder Urlaub macht, sollte sich nur einmal die Zeit nehmen und an diesen wunderbaren Ort gehen. Einfach nur zuhören, wenn Fabian an der Orgel spielt. 

 
 
 

Inselkapitän

EWALD Bebber

Hochseeinsel. Helgoland. Heimatland.

 

Mitten in der Deutschen Bucht, knapp 70 Kilometer vom Festland entfernt, liegt Deutschlands einzige Hochseeinsel: Helgoland. Die wogenden Wassermassen, das kräftige Farbenspiel der roten Felsen, die Weite des Meeres, die frische Seeluft und die faszinierenden Natur- und Tierwelten, machen dieses kleine Eiland mit 1,5 Quadratkilometern zu einem eindrucksvollen Fels in der Brandung.

 
 


Um auf die Insel zu gelangen, nimmt man in der Regel ein Schiff. Die Reederei Cassen Eils, die seit 1952 existierende, älteste Helgoland-Reederei, bietet das ganze Jahr hindurch mit modernen Seebäderschiffen eine Linienverbindung nach Helgoland an. Die Abfahrtshäfen sind Cuxhaven, Bremerhaven und Büsum, zusätzlich gibt es ausgewählte Abfahrtstermine ab Hooksiel im Wangerland an der Nordsee mit MS „Fair Lady“.

 
 
 
 

Als wir das Seebäderschiff MS „Helgoland“ in Cuxhaven betreten, werden wir friesisch freundlich von der Crew an der Gangway begrüßt. „Moin, willkommen an Bord.“ Wir staunen nicht schlecht, zumal wir uns ein Fährschiff etwas anders vorgestellt haben. MS „Helgoland“ ist eines der modernsten Schiffe Europas, alleine schon durch den Antrieb. Und es ist schön groß, hell und unglaublich modern gebaut. Das chice Design überzeugt innen und außen, der barrierefreie Zugang zu allen Decks ist per Fahrstuhl erreichbar, es gibt komfortabel eingerichtete Salons, eine Kinderspielecke, ein hervorragendes Restaurant und ein großzügiges Sonnendeck – das allein ist schon bemerkenswert. Aber das Außergewöhnlichste an MS „Helgoland“ ist, dass es mit innovativer Flüssiggas-(LNG)technik angetrieben wird. Mit anderen Worten: Umweltschutz auf hohem Niveau.

 
 
 

Der Soundtrack zur Geschichte von 3 Miles to Essex

 
 
 
 

für jeden einen Liegeplatz mit blick auf's meer

 

Wir werden von der Crew in die heiligen Hallen - auf die Brücke – geleitet. Dort treffen wir den Mann, der noch mehr Fels in der Brandung ist als Helgoland selbst. Chefkapitän Ewald Bebber! Stets mit einem flotten Spruch auf den Lippen und unglaublich liebenswertem Humor begrüßt er seine Gäste an Bord und läuft noch einmal durch das ganze Schiff, um sich zu versichern, dass alles so läuft, wie er das möchte. Im Schiff selbst kommt man sich vor wie in einem Ameisenhaufen. Alle Gäste laufen aufgeregt hin und her, hoch und runter auf der Suche nach Essen, Trinken, dem besten Platz. „Das ist normal. Das legt sich gleich wieder, wenn wir ablegen, dann hat jeder seinen Lieblingsplatz gefunden, mit Blick aufs Meer“, erklärt uns der Kapitän. Hochkonzentriert wird das Ablege-Manöver vorbereitet. An seiner Seite Steuerfrau Antje Busch. Antje ist seit drei Monaten an Bord auf MS „Helgoland“, genauso charmant wie der Kapitän und bereits ein alter Hase auf See. Vorher fuhr sie jahrelang auf einem Frachter und hat ganz Nordeuropa gesehen. 

Die Reederei ist sehr offen gegenüber dem Thema Frauen in der Seefahrt, wie wir feststellen, denn auf einem anderen Seebäderschiff fährt ebenfalls eine Steuerfrau mit.

 

Videointerview

 
 
 
 

„Ich bin an beiden Enden der Reise zu Hause!“

 

Es ist acht Minuten nach Zehn, als das Signal „Tuuuuuuuuut“ zum ersten Mal an Bord zu hören ist. „Das ist das Zeichen für die Gäste, dass sie sich jetzt sputen müssen...“, sagt Kapitän Bebber. Ein zweites Mal „Tuuuuuuuuuut“ und schon fahren wir los - ganz leise und umweltfreundlich mit Kurs auf Helgoland. Auch die 800 Gäste an Bord sind nun alle ganz entspannt und man merkt mit jeder Seemeile, die sie hinter sich lassen, die Vorfreude, dass bald diese kleine rote Felseninsel vor ihnen auftaucht...

 
 

Interessant ist, dass man in Niedersachen an Bord geht, an der Insel Neuwerk vorbei fährt, die zu Hamburg gehört, und auf der Insel Helgoland von Bord geht, die wiederum zu Schleswig-Holstein gehört. Die Überfahrt nach Helgoland dauert zirka 2,5 Stunden, je nach Tide und Geschwindigkeit. Auf der Brücke sieht es fast aus wie in einem Flugzeug-Cockpit, nur viel größer. Hochmodernste Technik, stets im Visier von Steuerfrau Antje, während wir die Elbe in Richtung Nordsee fahren. Eine gute Gelegenheit für uns, Kapitän Bebber ein bisschen näher kennen zu lernen.

"Urlaub macht dumm – ich habe einen job für dich."

 

Chefkapitän Ewald Bebber hat seit 26 Jahren bei der Reederei Cassen Eils das Steuerrad fest in der Hand. „Wenn man es streng nimmt seit 54 Jahren, denn ich bin gebürtiger Helgoländer“, verrät er uns. Wie wird man eigentlich Fährkapitän? „Das war eher Zufall, denn ich war vorher weltweit auf Großer Fahrt unterwegs, nur Australien und die Antarktis fehlen noch. Eines Tages hatte ich Urlaub und traf Cassen Eils und er fragte mich, was ich gerade mache. Ich sagte: ‚Urlaub.’ Er sagte: ’Urlaub macht dumm, ich habe einen Job für dich. Kannst du mir aushelfen? Ein Steuermann ist mir abhanden gekommen.’ Ich sollte für sechs Wochen einspringen - das war vor 26 Jahren“, erzählt uns der Kapitän.

 
 

Der gebürtige Helgoländer hat bereits zwei Bauphasen von Seebäderschiffen in seiner Karriere begleitet. Zuerst MS „Fair Lady“ in der Kindheit, das auch von Hooksiel nach Helgoland fährt. „Ein ganz tolles Schiff, was mir sehr am Herzen liegt“, verrät er uns. Und das technisch-innovative und moderne MS „Helgoland“. „Ich war schon während der Bauphase ständig vor Ort und fast hätte es geklappt, dass MS „Helgoland“ an meinem Geburtstag im Mai 2015 ins Wasser gelassen wurde. Leider kam es erst einen Tag später dazu. Das wäre natürlich so richtig schön gewesen“, schwärmt der Kapitän. „Früher war alles mehr Handwerk und viel mehr analoge Technik. Heute ist alles elektrisch. Körperlich nicht mehr so anstrengend, aber dafür vom technischen Anspruch viel höher. Als Kapitän muss man heutzutage sehr viel technisches Verständnis haben, gerade auf diesem Schiff mit dem LNG-Antrieb“, erklärt uns Bebber weiter.

 

 

Und was macht ein Kapitän so in der Freizeit? „Ich bin Kapitän durch und durch, das sagen auch meine Freunde. Sogar in meiner Freizeit baue ich mit einem Freund zusammen ferngesteuerte Modellboote und lasse diese auch hin und wieder fahren. Wir haben eines unserer Schiffe, MS „Fair Lady“, nachgebaut und auch das Frachtschiff meiner Eltern (KÜMO) Paloma-B von See, das früher nach Helgoland fuhr. Zur Zeit bauen wir MS „Helgoland“ (Länge 1,70 Meter) als Fernsteuermodell nach. Ziemlich verrückt, ich weiß, macht mich aber glücklich!“ Können Sie sich vorstellen, wieder auf die Insel zu ziehen und dort zu Leben? „Im Moment nicht, aber wer weiß, was das Leben noch bringt. Das Schönste für mich an Helgoland ist, kurz vor Sonnenuntergang eine Inselrundfahrt zu machen. Wenn abends die rote Sonne untergeht und dann noch den roten Felsen beleuchtet, das ist unbezahlbar!“

 

 

Jetzt ist sie ganz nah, die Insel Helgoland, der besagte Fels in der Brandung. Wow, wir können es kaum erwarten, endlich an Land zu kommen, um die Insel zu erkunden. Wir fühlen uns ein bisschen wie Schatzsuchende in der Kindheit. Schnell bitten wir den Kapitän, uns noch ein paar Tipps zu geben, denn wir sind Tagestouristen und müssen um 16 Uhr wieder an Bord sein. Er empfiehlt uns, einen Inselrundgang über das Oberland zu machen und den Felsen „Lange Anna“ zu besuchen. Wenn wir einen schönen Strand, Robben und Seehunde sehen möchten, dann sollten wir einen Abstecher auf die „Düne“ unternehmen (Helgoland zerbrach 1721; seitdem existiert die als „Düne“ bezeichnete Nebeninsel). Und dann ist da natürlich noch die Helgoländer Delikatesse Knieper, die Scheren von einem Taschenkrebs, die man in allen Variationen überall auf der Insel kosten kann. Einmal probiert und man kommt garantiert wieder. 

 

Die raue Schönheit Helgolands, ihr temperamentvolles und zugleich sanftes Auftreten lassen sich nicht zähmen, von niemandem. Man ist schnell verliebt in diesen roten Felsen in der Nordsee, braucht aber Zeit, um alle Geheimnisse, die Menschen dort, die reine Natur mit ihren Höhen und Tiefen lieben und kennenzulernen. Nach einem Tag Helgoland sind wir jedenfalls so verknallt, dass wir wieder kommen werden. Das nächste Mal von Hooksiel aus mit MS „Fair Lady“.

 
 

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Mehr Informationen über die Fahrten der Reederei Cassen Eils zu den Inseln Helgoland, Neuwerk und durch das Wattenmeer erfahren Sie hier: 

www.cassen-eils.de

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Strandkorbdoktor

Enno Bauer

Friesische Gemütlichkeit, die eine Nummer trägt.

 

Würde es den Wind und die steife Brise im Wangerland an der Nordsee nicht geben, gäbe es vermutlich kein maritimes Strandmobiliar. Der Wind ist schuld - Gott sei Dank! Natürlich. Bodenständig. Einzigartig. Schön. Der Strandkorb: ein einfaches Dach über dem Kopf, von drei Seiten geschützt - längs- oder quer gestreift, mit Meeresmotiven oder einfach prachtvoll in vielen bunten Farben. Für die einen ein Stück Heimat, für die anderen ein Stück abgeschirmter Ruhe, einfach ein Lieblingsplatz, in dem man ungestört die Seele baumeln lassen kann. Ein Strandkorb sieht immer gut aus, egal bei welchem Wetter. Und damit das so bleibt, werden im Wangerland an der Nordsee alle Strandkörbe von Strandkorbdoktor Enno Bauer von Hand gehegt und gepflegt.

 
 

4.000 STRANDKÖRBE IN 20 JAHREN
 

Enno Bauer ist Strandkorbdoktor bei der Wangerland Touristik mit Leib und Seele. Es gibt keinen Strandkorb, der nicht mindestens einmal durch seine Hände gegangen ist. Enno ist der einzige Strandkorbdoktor im Wangerland und musste sich seinen „Doktortitel“ erst erarbeiten. In über 20 Jahren hat er über 4.000 Strandkörbe repariert. Ohne Medizinstudium, aber mit viel handwerklichem Geschick und sehr viel Freude an der Arbeit. Aber wie wird man eigentlich Strandkorbdoktor? „Zuerst war ich ganz normal als Reparateur angestellt und habe mich täglich um Strandkörbe gekümmert. Erst als mein Kollege in Rente ging, habe ich den Job übernommen“, erzählt uns Enno. 

 
 
 
 

Jedes Jahr im April, wenn das zartgrüne Gras der Dünen im Wind den Frühling ankündigt, dann ist es endlich soweit. An den Stränden von Schillig, Horumersiel und Hooksiel werden traditionell die Strandkörbe aufgestellt. Liebevoll gepflegt und voll funktionstüchtig warten die maritimen Strandaccessoires auf Reisende, die im Wangerland ihr Ferienglück suchen.

 
 
 

Der Soundtrack zur Geschichte von 3 Miles to Essex

 
 
 
 

NORDDEUTSCHE GEMÜTLICHKEIT MIT NUMMER
 

Als wir Enno in seiner Strandkorbwerkstatt besuchen, ist das Wetter nicht besonders strandtauglich, eher friesisch herb und seine Werkstatt in Schillig ist rappelvoll mit Strandkörben, die alle auf „Erste Hilfe“ warten. Enno ist ein Typ Mensch, der immer gute Laune versprüht, weil er das besondere Etwas hat, das herzlich Friesische, das was die Menschen am Meer so ausmacht. Das ist so ansteckend, dass uns trotz des schlechten Wetters ganz warm ums Herz wurde, als wir ihn bei seiner Arbeit begleiten durften. Denn tief in unseren Herzen sind wir alle romantisch. Strandkörbe zu mögenist nicht schwer, denn die maritimen Farben an einem weißen Dünenstrand ergreifen einfach jeden von uns. Sie stehen urig und stolz, kreuz und quer an den Stränden und symbolisieren norddeutsche Gemütlichkeit, die eine Nummer trägt!

 

Videointerview

 
 
 
 

„MEINE KÖRBE KOMMEN JETZT AUS DEM WINTERSCHLAF UND MÜSSEN AUF VORDERMANN GEBRACHT WERDEN. WAS ZÄHLT, IST DAS ERGEBNIS!“, SAGT ENNO.

 

Die Strandkörbe, die beschädigt sind, werden im Herbst ausgesondert und den Winter über repariert. Enno erzählt uns, dass seine Strandkörbe aus Holz, meistens Tanne und Fichte, bestehen. Wenn er Reparaturen vornimmt, werden fast immer der Rahmen und die Seitenteile komplett ersetzt. Das Holz hat sich verbessert und ist wetterbeständiger als früher, so dass seine Strandkörbe nach seiner Reparatur fünf bis sieben Jahre am Strand stehen bleiben. Mittlerweile wird ölhaltige Lerche verarbeitet. Die Innenausstattung, Polster und die Sitzbank werden aus Markisenstoff gefertigt. Diese Teile müssen fast immer repariert werden, da sehr viel durch Vandalismus und Zigaretten zerstört wird. Seine „Strandkorbpraxis“ hat 12 Monate durchgehend geöffnet und jährlich gehen zirka 200 Strandkörbe durch seine Strandkorbdoktor-Hände. In mühevoller Handarbeit und mit enormer Liebe zum Detail schleift, sägt, hämmert und lackiert Enno an seinen Patienten herum, bis sie wieder „strandfein“ sind. 

 
 

Enno liebt seinen Beruf über alles, denn in den Wintermonaten hat er seine Ruhe und arbeitet täglich in der Werkstatt und in den Sommermonaten geht Enno jeden Morgen um 7 Uhr an den Strand und überprüft jeden einzelnen Strandkorb. Sind alle Schlüssel da, ist alles sauber? Sind alle Strandkörbe noch in einem einwandfreien Zustand? „Das Gefühl von Ruhe, Nordsee und die Reparatur der Körbe macht mich einfach glücklich. Das Schönste daran ist, man lernt ständig neue Menschen kennen oder trifft alte Bekannte, die man schon Jahre kennt und dann schnackt man eine Runde miteinander“, sagt Enno. 

"MEINE ARBEIT MACHT MICH EINFACH GLÜCKLICH."


Auf die Frage, ob hin und wieder mal Strandkörbe verschwinden, antwortet Enno: „Nein, seit ich hier bin ist noch nie einer ernsthaft geklaut worden. Hin und wieder stehen mal welche vor dem Deich rum. (er lacht) Weiter kommen die Diebe meistens nicht und geben auf, weil ihnen die Körbe zu schwer werden“. „Aber es werden jeden Tag Strandkörbe aufgebrochen und es wird randaliert, das ist leider an der Tagesordnung“, erzählt uns Enno weiter. 

 
 

Wir fahren zu einem alten Bauernhof und müssen auf den Heuboden über eine Leiter klettern. Ein wirklich interessantes Bild bietet sich uns, weil man Strandkörbe eigentlich nur am Strand oder im heimischen Garten vermutet. „Hier halten unsere Strandkörbe ihren Winterschlaf!“, präsentiert uns Enno ganz stolz. Von Oktober bis Anfang April werden die Strandkörbe hier wind- und wetterfest gelagert. Wenn die Saison beginnt, werden die Strandkörbe mit einem Hänger an den Strand gefahren und von Hand nach einem System aufgestellt. In Schillig zum Bespiel werden die Strandkörbe mit der Nr. 1 bis 240 direkt ans Wasser gestellt und für die etwas älteren Gäste, kommen ein paar Strandkörbe auf den Rasen. 

 

Selbstverständlich hat Enno als Strandkorbdoktor zuhause im Garten auch einen Strandkorb stehen und wir geben zu, wir hätten auch gerne einen mit nach Hause genommen. Aber wir müssen ehrlich sagen, nur hier im Wangerland an der Nordsee, wo die Strandkörbe den echten Meeresduft tragen, kann man sich hinein setzen, entspannen und sie hören, die ewige Geschichte vom Leben am Meer!

Viel. Meer. Auszeit.

Moni und ulf

Anleitung zum Glücklichsein

 

Außergewöhnliche Menschen, das sind oft die Verrückten. Die verrückt aufs Leben sind, verrückt aufs Erleben, verrückt danach, alles zu geben. Die alles auf einmal begehren, die nie gähnen oder belanglose Dinge sagen, sondern brennen wie ein Feuerwerk über dem Meer. Wir haben zwei dieser außergewöhnlichen Menschen hier oben an der Küste getroffen und durften ein paar Stunden mit ihnen staunen, sie bewundern und ebenfalls ein wenig mitverrückt sein. 

 
 
 
 

Vor vielen Jahren setzten sie Segel, um der endlosen Hast ihres Alltags den Rücken zu kehren. Seit ihrer Kindheit ist Monika und Ulf seit 1978 auf den Meeren unterwegs und wollen nicht mehr damit aufhören. Und wenn sie doch mal zur Ruhe kommen und Anker werfen, dann nur im Heimathafen Hooksiel. 

"Die Jan Maat: unser dickes, zickiges, pubertierendes Kind“

 

Wenn bei den meisten Menschen am Freitag Nachmittag das Wochenende so langsam beginnt, legen Monika und Ulf erst richtig los. Klamotten packen, alles mitnehmen, jetzt bloß nichts vergessen und los über die Autobahn ins 60 Kilometer entfernte Wangerland an der Nordsee. Auf Schnickschnack stehen die beiden nicht. Praktisch muss es sein und vor allem anders als die Anderen. Das Patchworkpaar mit drei Kindern und acht Enkelkindern – selbstverständlich „fast“ alle mindestens genauso segelverrückt wie sie selbst oder zumindest seetauglich – haben ein weiteres, ganz besonderes Kind: „Jan Maat“, 30 Tonnen schwer und ein Selbstbau-Traditionssegler ohne Anleitung zum „Glücklichsein“. Das schöne Holz, die alten Linien, die schiere Größe, gepaart mit den Spuren des bisherigen Arbeitslebens, diese Patina macht bei der „Jan Maat“ den ganz besonderen Reiz aus. „Als wir das Schiff kauften, haben wir uns einen sehr langen Traum erfüllt“, sagt Monika. „Allerdings hat uns der Vorbesitzer dieses Schiffes keinerlei Unterlagen zur Verfügung stellen können, so dass wir über Jahre mit sehr viel Zeit und Geduld unser „dickes, zickiges, pubertierendes Kind“ erst einmal kennenlernen und erziehen müssen. Wir wollten etwas haben, was sonst keiner hat – ein Unikat, so wie wir es sind!“

 
 
 
 

 

Der Soundtrack zur Geschichte von

 
 
 
 
 

Monika und Ulf sind zwei Menschen, die einfach das tun was sie lieben. Ihr Motto: Loslassen und sich selbst und auch alles andere nicht immer so ernst nehmen. Sie sind auf dem Meer zuhause, sind angekommen. Egal ob Mittelmeer, Atlantik oder Nordsee – sie kennen viele Reviere und noch mehr schöne Häfen. Auf die Frage, warum sie sich als Heimathafen Hooksiel im Wangerland ausgesucht haben, fällt die Antwort recht eindeutig aus: „Hier leben unsere Freunde und der Hafen ist nicht nur schön, sondern geschützt und tideunabhängig. Hier liegen wir sicher, kennen einfach jeden und trotzdem wird es nie langweilig. Der Alte Hafen von Hooksiel ist wunderschön und entspannt. Hier kann man in Ruhe sein Bier genießen, nette Menschen treffen, über die Welt philosophieren und einfach so sein wie man ist. Wenn man genug hat, macht man die Luken zu und geht schlafen. Am nächsten Morgen genießen wir unsere Brötchen an Bord und sind in Gedanken schon wieder am Segel setzen. „Dat ist unser Ding!“, sagt Ulf.

 
 

Wie erklärt man die Faszination des Segelns jenen, die immer nur an Land bleiben? Der Wind pfeift immer um die Ohren. Die Finger tun oft weh. Blaue Flecken am ganzen Körper. Unter Deck haut man sich den Kopf an. Die Bordtoilette – wenn überhaupt vorhanden – vermittelt ein nie gekanntes Raumgefühl. Ist das nicht so? „Ja, genau das brauchen wir, um glücklich zu sein“, erklärt Ulf. „Wir segeln am liebsten, wenn ein bisschen Wind ist, ab Windstärke vier bis sieben wird es für uns erst interessant und gehen raus aufs Meer. Es muss ein bisschen rau sein. So ein „Kaffeesegeln“ wie wir das heute gemacht haben ist nichts für uns. Das war nur euch zuliebe und damit die Segel mal ein bisschen abtrocknen.“ 

 

Videointerview

 
 
 

„Die Herausforderung beim Segeln
ist zu wissen, wie der Mensch mit den Naturgewalten umgehen kann.
Denn die Nordsee ist ein Biest."


Wir kommen sehr gut damit klar. Wir sind ein Team. Wir lieben viel Wind und die Herausforderung, die Nordsee zu besiegen. Diesen Kampf aufzunehmen. Wenn man dann abends nach einem schönen Törn im Hafen liegt, dann ist das das schönste Gefühl. Man hat den Kampf gewonnen.“ 

 
 

Segeln ist ein Schachspiel mit dem Wind. Man muss den Wind auf dem Wasser und aus den Wolken lesen können, bevor er in die Segel kommt. Nur wer genau beobachtet und vorausdenkt, kann handeln und letztendlich gewinnen. Monika und Ulf sind an Bord wie im normalen Leben Teamplayer. Sie müssen sekundenschnell entscheiden, welches Manöver sie als nächstes mit ihrem Schiff fahren wollen. Jeder Handgriff muss sitzen. 30 Tonnen Stahl, bleiben nun mal 30 Tonnen auch wenn sie als Schiff geformt sind. Segeln ist Meer. Viel Meer. Das Wechselspiel des Lichts und der Farben, wenn Wolken und Sonne sich abwechseln, ist berauschend. Die Gefühle und Emotionen, die sie beim Segeln täglich erleben, sind bewegend und entspannend zugleich.

 
 

NAch dem Turn ging's auf die Wäscheleine
 

Die Tochter mit Mann und zwei Kindern segelt gerade mit einer Dehler DB1, eine Regattayacht aus den 80ern, für drei Monate auf der nördlichen Halbkugel. Einfach so. Wow, wir staunten nicht schlecht, aber Monika schmiss adhoc einen typischen „Moni“-Spruch in die Runde: „Eine Tupper. Nix für mich. Ich brauche Rost!“. Genau solche Sätze machen die beiden aus. Sie sind authentisch, liebenswert, locker, einfach nur echt, weltoffen, tiefgründig und würden, wenn sie könnten, die ganze Welt umsegeln, wenn die Welt danach dann ein bisschen besser wäre. Auf die Frage, ob sie auch Gäste mit an Bord nehmen, kam ein klares „Nein“. Das hier gehört nur uns zwei. „Den letzten, den wir als Gast an Bord hatten, war danach so fertig, der musste erst mal über die Wäscheleine“, lacht Ulf. 

Man kann irgendwie gar nicht anders, als die beiden zu mögen. Oder vielleicht sollte man sagen: als sie lieb zu gewinnen. Wir sind als Fremde an Bord gekommen und gingen als Freunde. Das hat man selten und vielleicht funktioniert das auch nur bei Monika und Ulf so schnell und so herzlich. Und vielleicht ist da ja auch das Segeln der entscheidende Faktor. Auf hoher See findet der Mensch noch Emotionen und Geschichten die echt sind. Denn dort herrscht eine andere Zeit, ein anderer Rhythmus. Und wer darin aufgeht, sich hingibt, wird wahrscheinlich tatsächlich zu einem anderen, gelasseneren Menschen.